Der Garten des Herrn Nollen hat den in meiner vorigen Reisetschrei bung beschriebenen Evheubaum. Er windet sich um ein Kruzifix undbreitet seine Aeste weit aus. Diesen Winter ist er erfroren, so wie allesEpheu und alle Genstern und Weinreben.
Der Hönninger Bleichen wachst in dem Berge und der Ebene umdas Schloß Argenfels.
Die Häuser sind meistens schlecht und elend ausser einigen neuern.
Die Sprache ist rauh, wie die Sitten; nur findet man das schüch» .terne und furchtsame Wesen nicht, das man weiter unten findet.
Hönningen hat einen Feldscheer, aber keinen " Arzt und keinen Apo-theker.
Die Orgel in der Kirche soll sehr schön seyn. Das Kloster Rom-Wersdorf führt einen Prozeß mit der Hönninger Gemeinde, und hat ihnzweomal zu Koblenz gewonnen. Rommersdorf das bey Hönningen eine Meye-rey hat, will die Viehtrist in den Wald haben, eine landesverderbliche Sa-che, welche die gesunde Policey, die Menschenliebe und die Religion verbie-ten. ^ Eigennutz ist die Axe, worum sich der Kreis der menschlichenHandlungen dreht; aber der Eigennutz des Klosters Rommersdorf ist zu grob,und dem Ganzen nachthcilig.
Nachmittags.
Man ist hier nicht gewohnt viele Fremde zu sehen; man weis nicht,was man sich aus mir machen soll. Ich bin schon im ganzen Fleckenberühmt.
Eine sonderbare Gewohnheit ist, daß der Bürgermeister bey jeder Ge-legenheit eines öffentlichen Geschäftes das Maas Wein vor drei? Dreyer,d. i. 9s Stüber, lassen muß, er mag theucr oder wohlseil, gut oderschlecht seyn.
Im Sommer, wenn der Rhein seicht ist, hat das hiesige Wassereinen viel schärfern Geschmack, als im Winter.
Nachmittags um halb 2 Uhr stund mein Therm. 68. Gr. üb. o»
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