Druckschrift 
II. Heft (1785) [Mit sechs Prospekten]
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

schmutzig ohne Zierrathen ohne Statuen und Gemälde; der Chor ist nichtrund, sondern ganz perpcndicular platt; gegen dieser platten Wand steht derhohe Altar; dieß beleidigt das Auge und den achten Geschmack.

Der Tempel ist eine Maltheserkomthurey, ein neues schönes und wohlmeublirtes mit Geschmack eingerichtetes Haus mit einem nach den Rhein zu-gehenden Garten und einer Kapelle. Die Komchurey gehört dem Maltheser-ritter Herrn von * in Trier zu. Herr Scheffen Rollen bewohnt sie.Die Komthureykapelle ist niedlich. Ein Todtenzettel gab den Tod des HerrnEvermodus Classen, Abten zu Steinseld, der im 7s. Jahre seines Auers imss. seiner Prosess. und 52. seiner Priesterwürde starb. Man macht vielRühmens von ihm: "Vir micis er Immilis coi-äo" heißt es, "äileAnZOeo er Uominibus, Magnus incer magnos, exiguus inrer paruos, omni-dus omnia faöbus, vorbo: aeterna memoria äignillimus."

Diese Lobrede ist, wie ich glaube, nicht unartig. Das: "Vir mitlZer Humiiis coräe," wenn es wahr ist, scheint mir das schönste Lob diesesMannes, den ich nickt kannte, zu seyn. Er konnte sich in alle Weltschicken; er war also ein Weltbürger/ wie Wieland den Weisen imAgathon nennt. Dieser Charackter des Weltbürgers war eine der bestenEigenschaften des Alkibiades/ den Meiners/ Robertson und Wielandsehr treffend geschildert haben. Unter einer Geißelung des Herrn Jesusstunden folgende Verse, welche ein Beweis der Hönninger Dichtkunst sind.Wer sie gemacht habe, weis ich nicht. Ich schreibe ihnen dieselbe mitder Orthographie ab. Die Characktere waren Deutsche.

Der, Gegeißelter, Christus.

O Unschult Leidest du

Der Geisel Schlag und SchmertzenUnd Mancher scheut sich NitNoch mit der Sünd zu schertzenAch seh er dick nur anDeiner vielen Wunden ZahlVielleicht bedacht er sichDas er nicht kam zu Fall.

Der