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2 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 2
Entstehung
Seite
43
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Die moral. Vorthcile der Landplagen. 4 z

standen so eine lange traurige Weile. Endlich gieng ichfort, »m den Jammer nicht länger zu erdulden. Ichgieng zwey Stunden, in der Absicht, die Meinigen nichtHungers sterben zu sehen. Aber es war immer, als wennmich sechs Pferde zurück zögen; ich mußte wieder zu denMeinigen; und nun kam ich einen angefülleten Backofenvorüber, und die Roth, der süße Geruch und die Gele-genheit, machten mich zum Diebe. So sauer ist es mirgeworden! Bey diesem gestohlenen Brodte feyerten wirunser Christfest. Aber nun stand ich des Morgens vorTage auf, nahm meine Kuh, und brachte sie dem Manne,weichem ich das Brod gestohlen hatte. Mit tausendThränen bekannte ich ihm meine That, und der Mann,den ich als einen harten und geitzigen Mann gekannt hat-te, gab sie mir wieder, und einen Scheffel Roggen da-bei). Seitdem hat mir mein Wirth, den ich die vor-jährigeHener noch schuldig bin, und den ich vorhin nichtansprechen mochte, weil er selbst nichts übrig hat, aus-geholfen. Ach Herr! es giebt doch noch Mitleiden inder Welt, es giebt noch heimliche Tugenden, die mannur zur Zeit der Roth erkennt!

Die letzte Anmerkung des guten Mannes gefiel mir;was wollt ihr aber nun anfangen? fuhr ich fort.

Ich muß jetzt nach Holland, sagte er, um so viel zuverdienen, daß ich meine Schuld bezahle. Aber ich habekein Reisegeld, und da ich von allen die ich kenne, schonso viel Gutes empfangen: so mag ich keinen darum an-sprechen; ich muß also doch meine Kuh .... Hier konnteer für Schluchzen nicht weiter reden, und manche Thränerollte von dem abgehärmten Gesichte. Und wer weiß,ob ich aus Holland wieder komme, da ich mich nach ei-nem so traurigen Winter schwächlich finde, und mich sehrwerde anstrengen müssen, um nur erst so viel zu gewin-nen, als ich für Korn und Heuer schuldig bin?

Ich