98 Schreiben eines angehenden Hagestolzen.
Woher rührt aber dieses Verderben unsrer Zeiten,dieser Fluch, der so manchen redlichen Mann nnd so manches gnre zärtliche Mädchen zmn ledigen Stande ver-dammt? Gewiß von Nichts anders als der Thorheit derEltern. Die Matter, die mir ein seidncs Band oder einLutra c!eux bezahlen kann, schmückt gleich ihr kleinesEbenbildchen damit ans; es muß von unten bis oben ge-mützert nnd geflützert sevn, und mir den Iahren ist dasMädchen mit allen kostbaren Moden dermaßen bekanntund so daran gewöhnt, daß sie nach dem ordentlichen Lau-fe der menschlichen Handlungen gar nicht davon zurück-kommen kann; und was wird zuletzt daraus? .... Siemögen es rathen. Unter den vielen unglücklichen Perso-nen in den Hauptstädten sind nur wenig ihrer Neigung,die mehresten aber der Eitelkeit zumOpfer geworden, dieihnen eine thörichte Mutter ans das sorgfältigste eingeprä-get hatte. Anstatt ihre Kinder herunter zu halten, siebey andern in Dienste zu geben oder sie zu häuslicher Ar-beit zu gewöhnen, müssen sie immer in dem Strudel derModen schwimmen, und zuletzt auch darinn versinken.
Haben die Eltern vollends ein paar tausend Thalermitzugeben : so wird das Köpfchen der künftigen Markisinso hoch frisirt, und dasNäschen so zugespitzt, daß es kei-ner, als ein eben so albernes Närrchen wagt, ihr Herzdurch seinen Krcp zu rühren; und mit ihr ein prächtigesElend zu bauen; oder sie wird grau in schmeichelndenErwartungen, nnd bietet sich zuletzt so wohlfefl ans, daßsie niemand verlangt.
Doch Sie verlangen nnd brauchen nichts weiter zuwissen, um meinen Entschluß vollkommen "zn billigen.Hätten Sie eine Tochter, und Sie wollten mich dnrch ihreHand glücklich machen: so würden Sie sehen, daß ich al-ler Empfindung fähig, und blos ein Hagestolz aus Ver-zweiflung bin. Beklagen können Sie mich, und ich glaubees zu verdienen; aber verdammen müssen sie mich nicht.
XVII.