Schreiben eines angehenden Hagestolzen. 97
was ihre Erziehung und die jetzige Mode zu unentbehrli-che» Bedürfnissen gemacht hat: so getrauet? ich mir nicht,die ganze Ehestands last allein zu übernehmen. Bei? derersten Unterredung traf ich sie in einer Gesellschaft vonihres gleichen an. Sie sprachen von nichts als neuenMode» und Geschmack. Die eine wollte, wenn ich esrecht verstanden, s lg 'Uocke. die andre a I» ilo»-)' «na.tre sepn; diese trug ihrKleid a Ig Uouigtocvsll)', jenes IgOucllolliz; dies Stück hies ein l?m ou I'slr, jenes ein Ui-cku; und dann trugen sie couliciergtioos, preil>r>tiaus,Pockes cle Usris, blutre clonx, l'eleriues. und ich weissnicht was alles. Gerechter Himmel! dachte ich, und ei-nen solchen Um eo I'air sollst du zur Frau nehmen? —.Doch die arme Hexe hat jetzt einen hübschen feinen undfristeten Mann, aber leider! ihr Duchessen-Kleid versetzt,um die Wehmutter und den Pfarrer zu bezahlen ....
Solche traurige Erfahrungen sind es, worauf sichmeine Abneigung zum Heprathen gründet. Ich habe ei-nen guten Dienst, und wie mein Vater rechnete, ein ziem-liches Vermögen. Eine fromme und kluge Wirthin könn-te ich davon mit aller Bequemlichkeit unterhalten, aberkeine Prinzeßin, deren Apanage nicht hinreicht, das Na-delgeld, was sie gebraucht, zu bezahlen. Sie sehen michvielleicht für einen Liebhaber an, der ein bischen nach Gel-be frei)et, und weil er dessen nicht genug bekommen kann,dem Heprathen entsaget hat. Kann man aber bei) die-sen verdorbenen Zeiten anders handeln? lind ist die For-derung überhaupt so unbillig, daß eine Frau so viel mit-bringen soll, als sie zum linterhalt ihres Putzes ge-braucht? Handelt das Frauenzimmer nicht noch schlim-mer? Und ist unter tausenden auch nur eine einzige, dienicht mehr nach Equipage, nach Rang und Tittel odernach den Mitteln, woraus sie ihren Staat führen kann,als nach einem ehrlichen Kerl frepet? Nennen sie mir dieseeinzige, und vielleicht bedenke ich mich noch.
Mosers PH,mr, II. Theil, G ssllx,-