96 Schreiben eines angehenden Hagestolzen.
wird! . . . . Wils meynen Sie aber, liebster Freund!wie hoch sich derBraurschatz belief, wofür diese Ehestands.-last getragen werden sollte? Auf loooo, schreibe zehn-tausend Thaler. Damit hatte ich vielleicht nicht einmaldie Uhren mit dem zn jeder gehörigen Hals-- Kopf-- undOhrenschmuck bezahlen können; und was wäre mir dennfürs Flicken geblieben?
Eine andere, die ich mir vorher ausgesehen hatte,war zwar in Ansehung des Schmucks etwas billiger, undhatte sich vielleicht mit einem mittelmaßigen von Brillan-ten befriediget. Allein ihre Schwester, die eben hepra-thcte, nahm der entbehrlichen Kostbarkeiten so viel; undihre Eltern sahen mit einem so gefalligen Lächeln ans das-jenige herab, was der künftige Herr Schwiegersohn mitseinem halben Ruin augeschaffet hatte, daß ich mir nichtgekrauste, ihm in dieser Bahn nachzurennen. Ihm koste-ten seine Geschenke gewiß dreitausend Thal'er; und dieEltern hatten ohne Zweifel noch mehr angewandt, umdie Braut mit einer neumodischen Garderobe zn versehen.Die guten Leute, dachte ich, werden Bankerott machen,ehe sie ihre Handlung anfangen. Denn ihr beiderseiti-ges Vermögen, womit sie als Kaufleute handeln wollten,lief nicht höher, wie der Brautschatz meiner Prinzeßinmit den drey Uhren.
Meiner ersten Braut, da sie nachher so unglücklichgeworden, will ich in allen Ehren gedenken. Sie hatteein hübsches Gesicht, ein unschuldiges Herz, und eine feineErziehung. Was konnte sie dafür, daß ihre thörichtenEltern sie gleich einer Person von dem vornehmsten Stan-de und dem größten Vermögen erziehen lassen, da sie ihrdoch keinen Thaler mitgeben konnten? Gern hätte ich siegenommen, wenn sie nichts, wie ihr gutes Herz und da-bei) eine häusliche Erziehung gehabt hätte. Aliein wennich au die grausame Nothwendigkeit gedachte, ihr alseiner vornehmen Dame alles dasjenige geben zu müssen,
was