Schreiben eil,es angehenden Hagestolzen. 95
war eine Frau noch der beste Segen eines Mannes; siekam ihm in der Haushaltung zu statten, erleichterte ihmseine Sorgen, und brachte noch etwas mit, um die Ehe-stands-Lasten, wie es in den alten Ehepakten heißt, zutragen. Aber jetzt — ist es Raserey, eine Frau zu neh-men. Man schelte mich immerhin einen Hagestolzen, undsetze auch diesen Namen ans mein einsames Grab. Es istbesser, daß gar keine Thräne, als die Thräne eines be-trogenen Gläubigers darauf falle. Setzt dann nun eintreuer Freund hinzu, daß ich der größte, der zärtlichsteVerehrer der weiblichen Tugend gewesen: so forscht nochvielleicht ein vorübergehendes Mädchen der Ursache nach,warum ich meine Tage einsam beschlossen, geht in sich,und mindert den Staat, welcher jetzt einen ehrlichen Kerlabhält, sich durch das heilige Band der Ehe an den Ban-kerottierpranger schließen zu lassen.
Denken Sie nicht, daß ich zu sehr ins Traurige oderins Ernsthafte verfalle. Es ist dieses sonst, wie Siewissen, mein Fehler nicht. Allein, nachdem die letzte,worauf ich ein Auge geworfen hatte, unter einer Mengevon andern Geschenken, außer den Uhren zum Negligenoch drei) Staatsuhren von mir erwartete, wovon einejede mit Diamanten nach der Farbe ihrer Kleider besetzetseyn sollte: so müßte ich wohl der unempfindlichste Menschvon der Welt seyn, wenn ich nicht entweder im Lustigenoder im Traurigen ausschweifen sollte. Mein künstigerEheherr, sagte sie, ohne zu wissen, daß ich in der Hoff-nung es einmal zu werden, ihr meine Aufwartung machte,wird an mir einen kostbaren Schatz finden, und hoffentlichzufrieden seyn, wenn ich ihm für feine Gefälligkeit alleTage einmal ein freundliches Gesicht mache. Wie glück-lich bist du, sagte ich Zu mir selbst, daß du auf diesesfreundliche Gesicht noch nichts geborget hast; und wiesehr bedaure ich den Mann, der einmal deinen Artischok-kenkopf (sie war ä l'articlmut srifirt) zu behandeln haben
wird !