an die Frau ... in der Hauptstadt. 91
weniger, als Bälle, Oper», Comödien, Scwpss kms, undpetilLü msilnns. Doch begriff er endlich, daß wir sehrunglücklich seyn würden, wenn wir dieses nöthig hätten,um uns zu zerstreuen. Ja, er gieng zuletzt so weit,und machte ein Lobgedicht auf den wohlthärigen Fluch,daß jeder Mensch sein Brod im Schweiß des Angesichtsessen sollte.
Sie sprachen, wertheste Freundin, wie Sie bey unswaren, sehr vieles vom Wohlstande und von der gutenErziehung in Hannover; und unsere Frau Pastorin, wel-che Ihnen keinen Blick entwandte, so sehr huldigte die-selbe Ihrer Größe, sucht jetzo eine Französin. Sie hatvon Ihnen vernommen, daß zu einer guten Erziehungdie französische Sprache elc. etc. etc. etc. etc. gehöre.Alles dieses glaubt sie, als eine rechtschaffene Mutter,ihren Kindern geben zu müssen. Sie beruft sich daraus,daß eine gute Erziehung das beste Erbtheil sey, was sieihren Kindern lassen könne. Und was hat sie anders zudiesem Vorurtheile verleitet, als die Verachtung, welcheunbilligerweise den Personen erwiesen wird, die nicht nachArt der Hauptstadt erzogen sind?
Wie leicht wird die Frau Pastorin durch eben diesesVorurtheil verführet werden, die Kinder des Krämers unddes Schulzen zu verachten? Und wenn ich denn diesenletzten nur ein wenig Schwachheit leihe, welches ich gewißmit gutem Grunde thun kann: so schicken sie ihre Kinderauf die hohe Schule in die Hauptstadt, entziehen demStaate einen würdigen Ackersmaun, und schenken ihm da-für einen wichtigen Auditor. Wenn ich zur Frau Pastorinkomme, so setzet sie mir zwei) Wachslichter vor, und neu-lich war ich bey unserer Frau Amtmannin, da brannten ineinem Zimmer allein 24 an den Wänden. Ich mag nichtsagen, was ich dabey gedachte, so viel aber kann ich Ih-nen wohl im Vertrauen entdecken, daß ich mir eben keinevortheilhasten Begriffe von ihrem Verstände machte.
Wie