Druckschrift 
2 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 2
Entstehung
Seite
90
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Schreibe«! eines Frauenzimmers

So urtheilten Sie von mir, wie Sie zu Hause waren;und alle meine aufmerksame Sorgfalt, die schöne Milch,die vortrefliche Butter, die schmackhaften Garteufrüchte,die angenehmen Lnstgänge, das offenherzige Vertrauen,die freundschaftliche Gefälligkeit, welche unsere Nachbarenbep uns zu rühmen die Gültigkeit haben, mußten Ihrenundankbaren und verwöhnten Empfindungen zum Spottedienen.

Wie konnten Sie aber dieses verantworten? Undwie konnten Sie bei) Ihren großen Einsichten die Absich-ten nicht unterscheiden, wozu wir beyde geboren, erzogenund gewohnt sind? Glauben Sie denn, daß ein Frauen-zimmer auf dem Lande, oder in einer kleinen Stadl alledie unglücklichen Bequemlichkeiten nöthig habe, welche inder Hauptstadt unentbehrlich sind? Wissen Sie nicht,daß die Menge ihrer Bedürfnisse nur ein Aeichen ihrerArmuth sep? Welch ein Unsegen für nns, wenn wir andie täglichen Assemblern, wie an unser Spinnrad gewöh-net wären? Wenn wir Voltaire» und Popen besser, alsunser Intelligcnzblatt, und mehrere Arten von Spielen,als Hausarbeiten kennten?

Denken Sie nicht, daß ich das Lesen guter Schriftenverachte. Ich kenne den Werth derselben sehr gut, hütemich aber sehr davor, daß ich meine Empfindungen nichtaus meinem Stande gewöhne, und das Lesen bloß zu einernothwendigen Ausfüllung meiner langen Weile mache.So weit darf es mit mir nicht kommen. Ich habe meinegesetzten Stunden dazu; so, wie zu meiner Arbeit, welcheich in meinem Berufe dem Lesen freudig vorziehe. Undeben diesem Lesen habe ich den nöthigen Ehrgeiz zu dan-ken, daß ich mich durch die höhnischen Anmerkungen derStadtleute in meinen Pflichten nicht irre machen lasse.Vor zwey Iahren lag ein französischer Officier bei) uns.Sein Lied war beständig: Oll US Vit czu'ü Varls, c>uzilleurs. Er verlangte ans unserm Dorfe nichts

wem-