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2 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 2
Entstehung
Seite
88
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88 Schreiben eines Frauenzimmers vom Lande,

auf dem Lande wohnen, und ganz andere Pflichten haben,müssen Sie deswegen nicht veracbten.

Unser Natt'en kann nicht so risch, wie der ihrige ste-hen , und unsere Schulterknochen sind mit gutein Rechteetwas mehr ausgebogen, als diejenigen, welche Ihnendie gütige Natur blos zur Zierde gegeben.

Sie haben Recht, über Langeweile zu klagen, sobaldIhnen Spiel oder Gesellschaft fehlt. Sie haben Recht,Ihren Geschmack, Ihre Wahl im Anzüge, Ihren süßenTon, Ihren anstandigen Gang, Ihr herrschendes Auge,Ihr gclenkes Köpfthen, Ihre zarten Hände und andere Vor-züge, welche ich recht mit Vergnügen an Ihnen bemerke,selbst zu bewundern; und ich gestehe gern, daß IhnenIhreBclesenheit, IhreKcnntniß der besten englischen undfranzösischen Schriftsteller, und Ihre Einsicht in vielenDingen einen befugten Ekel vor allem dummen Zeuge,wie Sie zu sagen pflegen, wirken müsse. Allein dasBlut, welches Arbeit und Gesundheit uns Landmädchenin die Wangen treibt, muß uns in Ihren erhabenen Au-gen keine unerträgliche Physionomien geben. Sie müs-sen nicht über unsere alten Moden spotten, und sich un-sere eiserne Hände in ihre Küche wünschen.

Verzeihen Sie mir, daß ich Ihnen die Wahrheit einbischen nach unserer Art sage. Wie Sie uns das letzte-nmal auf dem Laude besuchten, war Ihre Aufführung würk-lich ein wenig sehr unhöflich, ich forderte bei) Ihrer An-kunft nur eine freundliche Miene von Ihnen; allein Siewaren von ihrer viertelstündigen Reise dermaßen fati-guirt und aneantirt, baß ich zufrieden war, wie Ihre Blic-ke es nur beymZanken bewenden ließen. Ich liefIhnenmit offenen Armen entgegen. Sic spitzten aber IhrenMund so weit voraus, daß ich nicht das Herz hatte, dieRosenblätterchen ein wenig aus ihren Falten zu drücken.Meine Mutter führte Sie in unser bestes Zimmer: alleindie weißen Wände waren Ihnen unerträglich, der Arm-

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