Sie tanzte gut und kochte schlecht. 8?
Für sie ist es ein Ruhm schlecht zn tanzen und gut Haus zuhalten; für andre aber, die es nicht nöthig haben, sichum Küche und Keller zu bekümmern, und die wegen ihrerGeburt das elende Privilegium haben, müßig zu gehen,ist es umgekehrt. Sie hat jetzt viele Prätendenten, undunter diesen ist der Hr. Ober - Amtmann zu ....
Was, rief die Frau Ober-Amtmännin, dieser sollteein Auge auf sie haben: das kann ich unmöglich glauben.Er hat bisher meiner Tochter die Aufwartung gemacht,und ich will doch nimmer hoffen, daß er sie nur zum Be-sten habe. — In dem Augenblicke hatte der Hr. Rittmei-ster seinen Tanz geendigt und unterbrach die Unterredungvon neuen. Ich kann also auch nichts weiter davon er-zählen. Doch habe ich nachher gehört, daß die Heyrathmit der ungeschickten Tänzerin glücklich zu Stande ge-kommen, und ihr Mann, der Hr. Ober-Amtmann, mehr-malen gesagt habe: ihm wäre mehr mit einer guten Wir-thin , als mit einer kostbaren Zierpuppe gedient. DieWittwe ist jetzt die glückliche Haushälterin ihres Vaters,und hat das Herz in schwarzen Schuhen zu tanzen.
XV.
Schreiben eines Frauenzimmers vom Lande, andie Frau ... in der Hauptstadt.
Wevtheste Freundin!
Ziffer Beruf in der Welt ist sehr von einander unter-schieden. Ihnen, Wertheste Freundin, sieht es sehr wohl,daß Sie des Morgens bis i o Uhr schlafen, drey Stun-den am Nacbttische sitzen, und die übrige Zeit in ange-nehmen Gesellschaften zubringen. Allein, uns, die wir
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