66 Ein gutherziger Narr bessert sich nie.
mit der Anrede überraschte! — Meine Thränen sagenIhnen schon meine ganze Noch. Schwerlich kann einZustand grausamer sepn, als der meinige. Gott duweißt, wie vieles mir dieser Schritt kostet! Allein lieb-ster, bester Arist, Sie sind allezeit meine einzige Zufluchtgewesen; Sie haben mir schon oft geholfen; konnte ichIhnen nur einmal meine ganze Erkenntlichkeit ausdrük-ken! Sehen Sie hier, diesen Brief erhalte ich so eben.Mein Sohn, mein einziger Sohn, soll seine Compagnieverlieren, oder er muß ,500 Thaler bezahlen, die erderselben schuldig ist. Ach! einen Theil habe ich selbstvon ihm geliehen. Wie mein seliger Mann starb, hatteich nicht so viel, daß ich ihn Standesmäßig begrabenlassen konnte; und daS übrige Für dasmal dünk-te sich Arist sicher. Fünfzehnhundert Thaler hatte ernicht baar, und konnte sie auch sobald nicht anschaffen.Die Thränen der Wittwe flössen also umsonst. Jedochzu seinem Unglück forderte die Compagnie nur erst einenBürgen auf sechs Monate; und wie konnte er der dank-baren und unglücklichen Emilie diese Hülfe versagen?Verlohr ihr Sohn die Compagnie: so wären Mutler undSohn in die schrecklichste Armnth gerathen, und sollte ersich diese einst vorzuwerfen haben? das wollte der Him-mel nicht.
Arist dachte jetzt an kein Gelübde mehr. Er sah eSein, daß es vergeblich sey, sich selbst Gesetze zu geben,und seinem Herzen das DispensationSrecht zu lassen. In-dessen klagte er seine Roth einem würdigen Freunde, ei-nem Manne, den er unter allen am höchsten schätzte, umsich seinen Rath zu erbitten. Himmel, antwortete ihmdieser, was bin ich unglücklich! In dem Augenblick, damich dev schrecklichste unter allen Zufällen nölhigte, Siemein edelster, mein werthester Arist, um einen Vorschußvon tausend Thalern zu bitten: so erfahre ich mitSchrek-ken, wie sehr ich Ihre Freundschaft auf die Probe gestel-let