Ein gutherziger Narr bessert sich nie. 65
der, der sich auf seiner Durchreise in der äußersten Ver-legenheit befand — Er hätte das Unglück gehabt, aufder Reise eine ansehnliche Summe Geldes zu verspielen;hier wäre er völlig unbekannt, voll Verzweiflung überseinen Verlust und über die Nothwendigkeit ihn um eingeringes Anlehu von zehn Pistolen anzusprechen ; er wüß-te sich an niemanden zu wenden, als an den Mann, vondem er schon in der Ferne viel Gutes gehört hätte, unddessen menschenfreundlicher Charakter ihn in diesen trau-rigen Umständen nicht verlassen würde. — Arist fiengau zu zweifeln, ob er sein Gelübde von dem heutigen Ta-ge scholl anrechnen sollte. Er hatte die zehn Pistolennoch; das Unglück eines Mannes vom Stande gieng ihmnahe. Kurz, er gab sie hin, schwur aber noch einmal,daß dieses das letztemal sepn sollte. Der Tag giengglücklich vorüber, ohne daß er in die Versuchung gesetztwurde, sein Gelübde noch einmal zu brechen.
Er war aber des andern Morgens noch im Bette, alsein Freund in der größten Angst und außer Athem zu ihmkam — : O mein Theurester, was fang ich an? MeineHaushälterin ist schwanger; ihre Niederkunft ist nahe,ich muß sie fortschicken, oder ich werde ans das empfind-lichste beschimpft; Sie wissen meine vorhabende Heprath,meine Hoffnung zur nächsten Beförderung, alles ist ver-lohren, und ich bin der unglücklichste Mensch ; mit fünf-zig Pistolen können sie mich retten, diese verlangt dasMensch zur Reise und zum Wochenbette. — Die Ge-fahr des Freundes war zu dringend. Arist stand auf,kleidete sich in der Eile au, liehe die fünfzig Pistolen, gabsie hin, und dachte nicht an sein Gelübde.
Gutes Herz! schreckliches Geschenk der Gottheit!was kostest du mir? Du begnügest dich nicht allein, michunglücklich zu machen, du machst mich auch meineidig!-So philosophiere Arist eben mit sich selbst, als ihm dieWittwe eines angesehenen Mannes in seiner EinsamkeitMosers Pham-lt. Thxil. E mit