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2 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 2
Entstehung
Seite
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4Z Die lobmswürdige Kokette

nehmere Zeitung gehöret: ich lief mit dem Mädchen aufden Boden wie eine Närrin, hielt allen meines MannesTanten und Großtanten, die den Flachs gcsammlet hat-ten, eine Standrede, und man mnßte mir dasselbe mit-einander in die Scheuer bringen. Hier ließ ich alleWeibslcute ans dem Dorfe zusammen kommen, und theil-re den Flachs ungewogen und ungezählt unter sie aus.Nun das war eine Freude! Aber denken Sie, die gutenWeibsen bringen mir das Garn dafür wieder, und ver-langen kein Spinngeld, nachdem ich sie bereits mit Kornversorget habe. Ist das nicht auch süß? und kann dieseschmeichelhafte Dankbarkeit, ohnerachtet sie nicht vonMännern kömmt, nicht immer mit angenommen wer-den? Der Begierde zu gefallen entwischt nichts, undselbst meinen Vogel habe ich doppelt lieb, weil er mirund keinem andern zufliegt.

Ich Hab? mir schon viele sonderbare Ergötzungen aufdem Lande gemacht. Wie ich vor vier Iahren meinenMann heyrathete, wählte ich mir an meinem Hochzeik-tage sechs arme Inngen und sechs arme Mädchen aus,lies sie auf eine ganz besondre Art kleiden, und ihren Un-terricht damit anfangen, daß sie hübsch englisch tanzenlernen mußten. Mein Einfall war damals, den Kleidun-gen und Köpfen unsers Landvolks eine ganz neue Wen-dung zu geben; und jene zwölf arme Kinder zu einem sol-chen Muster zu bilden, welches die Kinder der Reichen imDorfe einmal gewiß nachahmen sollten. Anfangs hieltman mich für eine Erznärrin. Nachdem man aber all-mählich sah, wie gut ich diese armen Kinder in allen Ar-ten ländlicher Arbeit unterrichten lies, und wie flink mei-ne Mädchen in kurzen Röcken auf dem Felde und im Stallewurden: so fteng jeder an zu stutzen; und nun da ick-uich mit geringen Leuten schwatze, mit ihnen klage, undihnen dann Korn und Flachs gebe, so bin ich ihr Engel;ich sehe nichts, als gerührte Leute; und was ist aller

Schmuck