98 Nomancero — Letzte Gedichte.
Die bravste, klügste Kuh kein Spanisch weih,Wie Maßmann kein Latein — Der MarinvrsicißDer Venus von Canova ist zu glatte,
Wie Maßmanns Nase viel zu ärschig platte.
Im süßen Lied ist oft ein saurer Reim,Wie Bienenstachel steckt im Honigseim.
Am Fuß verwundbar war der Sohn der Thetis,lind Alexander Dumas ist ein Metis.
Der strahlenreinste Stern am Himmelszelt,
Wenn er den Schnupfen kriegt, herunterfällt.
Der beste Apfelwein schmeckt nach der Tonne,Und schwarze Flecken sieht man in der Sonne.
Du bist, verehrte Frau, du selbst sogarNicht fehlerfrei, nicht aller Mängel bar.
Du schaust mich an — du fragst mich, was dir fehle?Ein Busen, und im Busen eine Seele.
8.
Fromme Warnung.
Unsterbliche Seele, nimm dich in acht,Daß du nicht Schaden leidest,
Wenn du auS dein Irdischen scheidest;
Es geht der Weg durch Tod und Nacht.
Am goldnen Thore der Hauptstadt des LichtSDa stehen die Gottes-Soldaten;
Sie fragen nach Werken und Thaten,
Nach Namen und Amt fragt man hier nichts.
Am Eingang läßt der Pilger zurückDie staubigen, drückenden Schuhe —
Kehr ein, hier findest du Ruhe,
Und weiche Pantoffeln und schöne Musik.
9.
Der Abgekühlte.
Und ist man tot, so muß man langIm Grabe liegen; ich bin bang,
Ja, ich bin bang, das AuferstehenWird nicht so schnell von statten gehen.
t