Druckschrift 
3 (1898) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12 Romancero Letzte Gedichte.

bedeutsam wie scharfsinnig. Der grvße skandinavische Seher begriffdie Einheit und Unteilbarkeit unserer Existenz, sowie er auch dieunveräußerlichen Jndividualitätsrechte des Menschen ganz richtig er-kannte und anerkannte. Die Fortdauer nach dem Tode ist bei ihmkein idealer Mummenschanz, wo wir neue Jacken und einen neuenMenschen anziehen; Mensch und Kostüm bleiben bei ihm unverändert.In der andern Welt des Swedenborg werden sich auch die armenGrönländer behaglich fühlen, die einst, als die dänischen Missionäresie bekehren wollten, an diese die Frage richteten: ob es im christlichenHimmel auch Seehunde gäbe? Ans die verneinende Antwort erwidertensie betrübt: der christliche Himmel passe alsdann nicht für Grönländer,die nicht ohne Seehunde existieren könnten.

Wie sträubt sich unsere Seele gegen den Gedanken des AufHörensunserer Persönlichkeit, der ewigen Vernichtung! Der borror vaoui,den man der Natur zuschreibt, ist vielmehr dein menschlichen Gemüteangeboren. Sei getrost, teurer Leser, es giebt eine Fortdauer nachdem Tode, und in der andern Welt werden wir auch unsere See-hunde wiederfinden.

lind nun, lebe wohl, und wenn ich dir etwas schuldig bin, soschicke mir deine Rechnung.

Geschrieben zu Paris, den so. September Isöl.

Heinrich Heine.