Ueber Heiraths- oder Aussteuer-Kassm.
5^
^)n der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bildetensich in verschiedenen Städten Deutschlands neben den da-mals so beliebten Sterbe!assen auch sogenannte Siudi er-lassen, bei welchen die Aeltern eines Knaben durch jahr-liche Beitrage sich eine Beisteuer zu dem Unterhalt ihresSohnes ans der Universität laufen konnten, und noch häu-figer traten junge Mädchen, welche sich den Jahren derMannbar eic näherten, zu einer Heirarhskasse zustim-men. Die.^Einrichtung der letzteren war folgende. DieTheilnehmcr, oft 2 bis zoo an der Zahl, verpflichtetensich, bei jeder Verheirctthnng eines Mitgliedes eine bestimm-te Summe zu erlegen, welche der jungen Frau als einBeitrag zu ihrer Aussteuer überreicht wurde. Die Sachefand anfangs, wie natürlich, großen Beifall, und jedesjunge Madchen eilte, einer so vortheilhastcn Anstalt beizu-treten. Als aber die Beitrage gar zu häufig kamen, alsman bemerkte, daß viele erst dann dieser Kasse beitraten,wenn sie der nahen Verheirathung gewiß zu sei» glaub-ten, und daß viele von ihnen, ungeachtet der Aussichtauf eine Aussteuer, dennoch nnverheirathet blieben, undalle ihre Beiträge also verloren gingen, da kühlte der Ei-fer sich merk! ch ab, und die schnell entstandenen Hemaths-kassen gingen mehremheils nach einer sehr kurzen Dauer
5"