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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
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Memoiren. 243

mit Befangenheit hinzu, falle sie sich unverzüglich in ihrem Schlaf-kämmcrlein zu Bette begeben.

Den Neptunspokal hat das rate Sefchen ganz gehorsamlich aus-geschwenkt und auf den Stcintisch zu den Weinflaschen gestellt, aberzu Bette ging sie nicht, und von Neugier getrieben, verbarg sie sichhinter einem Gebüsche nahe bei den Eichen, wo sie zwar wenig hören,jedoch alles genau sehen konnte, was vorging.

Die fremden Männer mit dem Großvater an der Spitze kamenfeierlich paarweise herangcschritten und setzten sich ans hohen Holz-blöckcn im Halbkreis um den Steintisch, wo die Hnrzlichter angezündetworden und ihre ernsthaften, steinharten Gesichter gar grauenhaftbeleuchteten.

Sie saßen lange schweigend, oder vielmehr in sich hincininnrmclnd,vielleicht betend. Dann goß der Großvater den Pokal voll Wein,den jeder nun austrank und mit wieder neu eingeschenktem Weinseinem Nachbar zustellte; nach jedem Trunk schüttelte man sich auchbiderb die Hände.

Endlich hielt der Großvater eine Anrede, wovon das Sefchenwenig hören konnte und gar nichts verstand, die aber sehr traurigeGegenstände zu behandeln schien, da große Thräncn aus des altenMannes Augen herabtropften und auch die andern alten Männerbitterlich zu weinen anfingen, was ein entsetzlicher Anblick war, dadiese Leute sonst so hart und verwittert aussahen wie die grauenSteinfignren vor einem Kirchenportal und jetzt schössen Thränenaus den stieren Steinaugen, und sie schluchzten wie die Kinder.

Der Mond sah dabei so melancholisch aus seinen Nebelschleiernam sternlosen Himmel, daß der kleinen Lauscherin das Herz brechenwollte vor Mitleid. Besonders rührte sie der Kummer eines kleinenalten Mannes, der heftiger als die andern weinte und so lautjammerte, daß sie ganz gut einige seiner Worte vernahm er riefunaufhörlich:O Gott! o Gott! das Unglück dauert schon so lange,das kann eine menschliche Seele nicht länger ertragen. O Gott, dubist ungerecht, ja ungerecht." Seine Genossen schienen ihn nurmit großer Blühe beschwichtigen zu können.

Endlich erhob sich wieder die Versammlung von ihren Sitzen, siewarfen ihre roten Mäntel ab, und jeder sein Richtschwert mitermArme haltend, je zwei und zwei begaben sie sich hinter einen Baum,Ivo schon ein eiserner Spaten bereit stand, und mit diesem Spatenschaufelte einer von ihnen in wenigen Augenblicken eine tiefe Grube.Jetzt trat SefchcnS Großvater heran, welcher seinen roten Mantelnicht wie die andern abgelegt hatte, und langte darunter ein weißcSPaket hervor, welches sehr schmal, aber über eine Brabanter Ellelang sein mochte und mit einem Bettlaken umwickelt war; er legte das-selbe sorgsam in die offene Grube, die er mit großer Hast wieder zudeckte.

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