Briefe aus Berlin.
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Kapitel XX.
Sic mar liebenswürdig, und er liebte sie? er aberwar nicht liebenswürdig, und sie liebte il>n nicht.
(Altes Stück.)
Und wegen dieser dummen Geschichte haben Sie sich totschießenwollen?
Madame, wenn ein Mensch sich totschießen will, so hat er dazuimmer hinlängliche Gründe, daranf können Sic sich verlassen. Aberob er selbst diese Gründe kennt, das ist die Frage. Bis ans denlebten Augenblick spielen wir Komödie mit uns selber. Wir mas-kieren sogar unser Elend, und während wir an einer Brnstwnndcsterben, klagen wir über Zahnweh.
Madame, Sie wissen gewiß ein Mittel gegen Zahnweh?
Ich aber hatte Zahnweh im Herzen. Das ist ein schlimmesÜbel, und da hilft sehr gut das Füllen mit Blei und das Zahn-pulver, das Bcrthold Schwarz erfunden hat.
Wie ein Wurm nagte das Elend in meinem Herzen, und nagte— der arme Chinese trägt keine Schuld, ich habe dieses Elend mitmir zur Welt gebracht. Es lag schon mit mir in der Wiege, undwenn meine Mutter mich wiegte, so wiegte sie es mit, und wenn siemich in den Schlaf sang, so schlief es mit mir ein, und es erwachte,sobald ich wieder die Augen aufschlug. Als ich größer wurde, wuchsauch das Elend, und wurde endlich ganz groß, und zersprengte mein —
Wir »vollen von andern Dingen sprechen, vom Jungfcrnkranz,von Maskenbällen, von Lust und Hochzeitfrende — lalarallala, lala-rallala, lalaral — la — la — la.
Ihr sehr lieber Brief vom S. d. M. hat mich mit der größtenFreude erfüllt, da sich darin ihr Wohlwollen gegen mich am unver-kennbarsten aussprach. Es ergnickt mir die Seele, wenn ich erfahre,
(1822.)
Seltsam! — Wenn ich der Dei von Tunis wäre,Schlug' ich bei so zweideut'gcm Vorfall Lärm.
Kleists „Prinz von Homburg".
Erster Brief.
Berlin, den SK. Jmin-cr lSSS.