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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Memoiren. 239

sehr ergötzlicher Art, und ich kenne die Geschichte eineS Domherrn,dem ein falscher biunm?onipilius zurückgcliefert ward, der, wie dieHaushälterin des geistlichen Herrn, seine Nymphe Egeria, behauptete,eher einem Türken als einem Christenmenschen angehört haben mußte.

Als einst ein solcher Entmannter auf Restitution drang, befahlihm die Hexe, eine Leiter zu nehmen und ihr in den Garten zufolgen, dort auf den vierten Baum hinaufzusteigen und in einemVogelnest, das er hier befestigt fände, das verlorene Gut wieder heraus-zusuchen. Der arme Mensch befolgte die Instruktion, hörte aber,wie die Hexe ihm lachend zurief: Ihr habt eine zu große Meinungvon Euch. Ihr irrt Euch, was Ihr da herausgezogen, gehört einemsehr großen geistlichen Herrn, und ich käme in die größte Schererei,wenn es mir abhanden käme. —

Es war aber wahrlich nicht die Hexerei, was mich zuweilen zurGöcherin trieb. Ich unterhielt die Bekanntschaft mit der Göcheriu,und ich mochte wohl schon in einem Alter von 16 Jahren sein, alsich öfter als früher nach ihrer Wohnung ging, hingezogen von einerHexerei, die stärker war als alle ihre lateinisch bombastischen ?bil-trariu. Sie hatte nämlich eine Nichte, welche ebenfalls kaum 16 Jahrealt war, aber, plötzlich aufgeschossen zu einer hohen schlanken Gestalt,viel älter zu sein schien. Das plötzliche Wachstum war auch schuld,daß sie äußerst mager war. Sie hatte jene enge Taille, welche wirbei den Qnartcronen in Westindien bemerken, und da sie kein Korsettund kein Dntzend Unterröcke trug, so glich ihre enganliegende Klei-dung dem nassen Gewand einer Statue. Keine marmorne Statuekonnte freilich mkt ihr an Schönheit wetteifern, da sie das Leben selbstund jede Bewegung die Rhythmen ihres Leibes, ich möchte sagen sogardie Musik ihrer Seele offenbarte. Keine von den Töchtern der Niobehatte ein edler geschnittenes Gesicht; die Farbe desselben wie ihreHaut überhaupt war von einer etwas wechselnden Weiße. Ihre großentiefdunklcn Augen sahen aus, als hätten sie ein Rätsel aufgegebenund warteten ruhig auf die Losung, während der Mund mit denschmalen hochaufgeschürztcn Lippen und den kreideweißen, etwas läng-lichen Zähnen zu sagen schien: du bist dumm nud wirst vergebens raten.

Ihr Haar war rot, ganz blutrot und hing in langen Locken bisüber ihre Schultern hinab, so daß sie dasselbe unter dem Kinn zu-sammenbinden konnte. Das gab ihr aber das Aussehen, als habeman ihr den Hals abgeschnitten und in roten Strömen quölle daraushervor das Blut.

Die Stimme der Josepha, oder des roten „Scfchen", wie mandie schöne Nichte der Göcherin nannte, war nicht besonders wohl-lautend und ihr Sprachvrgan war manchmal bis zur Klanglosigkcitverschleiert; doch Plötzlich, wenn die Leidenschaft eintrat, brach dermetallreichste Ton hervor, der mich ganz besonder? durch den Umstand