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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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238 Memoiren.

anhexen ließ. Das linfrnchtbarmachen geschah durch Nestelknüpfen.Das ist sehr leicht: man bezieht sich in die Kirche, wo die Trauungder Brautleute stattfindet, und in dem Augenblick, Ivo der Priesterüber dieselben die Trauungsformel ausspricht, läßt man ein eisernesSchloß, welches man unter der Schürze verborgen hielt, schnell zu-klappen; so wie jenes Schloß, verschließt sich auch jetzt der Schoß derNeuvermählten.

Die Ceremonien, welche bei der Entmannung beobachtet werden,sind so schmutzig und haarsträubend grauenhaft, daß ich sie unmöglichmitteilen kann. Genug, der Patient wird nicht im gewöhnlichenSinne unfähig gemacht, sondern in der wahren Bedeutung des Wortesseiner Geschlechtlichkeit beraubt, und die Hexe, welche im Besitze desRaubes bleibt, bewahrt folgendermaßen dieses Corpus delicti, diesesDing ohne Namen, welches sie auch kurzweg „das Ding" nennt; dielateinsüchtige Göcherin nannte es immer einen IBrmsn ?oinxiiius,wahrscheinlich eine Reminiscenz an König Nnma, den weisen Gesetz-geber, den Schüler der Nymphe Egeria, der gewiß nie geahnt, wieschändlich sein ehrlicher Namen einst mißbraucht würde.

Die Hexe verfährt wie folgt. Das Ding, dessen sie sich bemächtigt,legt sie in ein leeres Vogelnest und befestigt dasselbe ganz hoch zwischenden belaubten Zweigen eines Baumes; auch die Dinger, die sie späterihren Eigentümern entwenden konnte, legt sie in dasselbe Vogelnest,doch so, daß nie mehr als ein halb Dutzend darin zu liegen kommen.Im Anfang sind die Dinger sehr kränklich und miserabel, vielleichtdurch Emotion und Heimweh, aber die frische Luft stärkt sie und siegeben Laute von sich wie das Zirpen von Cikaden. Die Vögel, dieden Baum umflattern, werden davon getäuscht und meinen, es seiennoch unbcfiedcrte Vögel, und aus Barmherzigkeit kommen sie mitSpeise in ihren Schnäblein, um die mutterlosen Waisen zu füttern,was diese sich wohl gefallen lassen, so daß sie dadurch erstarken, ganzfett und gesund werden, und nicht mehr leise zirpen, sondern lautzwitschern. Darob freut sich nun die Hexe, und in kühlen Sommer-nächten, wenn der Mond recht deutsch-sentimental herunter scheint,setzt sich die Hexe unter den Baum, horchend dem Gesang der Dinger,die sie dann ihre süßen Nachtigallen nennt.

Sprenger in seinem „Hexenhammer", „nmllsus rag,isülla,ruin/erwähnt auch diese Berruchtheiten der Unholdinncn in Bezug aufobige Zauberei, und ein alter Autor, den Scheible in seinem „Kloster"citiert und dessen Name mir entfallen, erzählt, wie die Hexen oftgezwungen werden, ihre Beute den Entmannten zurückzugeben.

Die Hexe begeht den Mannheitsdiebstahl aber meistens in derAbsicht, von den Entmannten durch die Restitution ein sogenanntesKostgeld zu erpressen. Bei dieser Zurückgabe des entwendeten Gegen-standes giebt es zuweilen Verwechslungen und Lluidproquvs, die