Memoire»,
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War solches sein wirklicher Name vder mir ein Stichwort? Ichweiß nicht, doch so viel ist gewiß, daß ich durch die Ähnlichkeit jenesWortes mit meinem Namen Harry außerordentlich viel Leid vonSchulkameraden und Nachbarskindern auszustehen hatte. Um michzu ncrgcln, sprachen sie ihn ganz so aus, wie der Dreckmichel seinenEsel rief, und ward ich darob erbost, so nahmen die Schalke manch-mal eine ganz unschuldige Miene an und verlaugten, um jede Ver-wechslung zu vermeiden, ich sollte sie lehren, wie mein Name undder des Esels ausgesprochen werden müßten, stellten sich aber dabeisehr ungelehrig, meinten, der Michel Pflege die erste Silbe immersehr lang anzuziehen, während er die zweite Silbe immer schnell ab-schnappen lasse; zu andern Zeiten geschähe das Gegenteil, wodurchder Ruf wieder ganz meinem eigenen Namen gleichlaute, und indemdie Buben in der unsinnigsten Weise alle Begriffe und mich mit demEsel und wieder diesen mit mir verwechselte!:, gab es tolle eog-ü-l'üns,über die jede andere lachen, aber ich selbst weinen mußte.
Als ich mich bei meiner Mutter beklagte, meinte sie, ich sollenur suchen, viel zu lernen und gescheit zu werden, und man werdemich dann nie mit einein Esel verwechseln.
Aber meine Hvmonymität mit dem schäbigen Langohr blieb meinAlp. Die großen Buben gingen vorbei und grüßten „Haarüh!" diekleineren riefen mir denselben Gruß, aber in einiger Entfernung.In der Schule ward dasselbe Thema mit raffinierter Grausamkeit aus-gebeutet; wenn nur irgend von einem Esel die Rede war, schielte mannach mir, der ich immer errötete, und es ist unglaublich, wie Schul-knaben überall Anzüglichkeiten hervorzuheben vder zu erfinden wissen.
Z. B. der eine frng den andern: Wie unterscheidet sich das Zebravon dem Esel des Bileam Sohn Boers? Die Antwort lautete: Dereine spricht zebräisch und der andere sprach hebräisch. — Dann kamdie Frage: Wie unterscheidet sich aber der Esel des Drcckmichels vonseinem Namensvetter, und die impertinente Antwort war: den Unter-schied wissen wir nicht. Ich wollte dann zuschlagen, aber man be-schwichtigte mich, und mein Freund Dietrich, der außerordentlichschöne Heiligenbildchen zu verfertigen wußte und auch später ein be-rühmter Maler wurde, suchte mich einst bei einer solchen Gelegenheitzu trösten, indem er mir ein Bild versprach. Er malte für micheinen heiligen Michael — aber der Bösewicht hatte mich schändlichverhöhnt. Der Erzengel hatte die Züge des Drcckmichels, sein Roßsah aus wie dessen Esel, und statt einen Drachen durchstach die Lanzedas Aas einer toten Katze.
Sogar der blondlockige, sanfte, mädchenhafte Franz*), den ich so
*) Franz von Zuecalinaglio, an welchen eines der ersten Gedichte Heines ge-richtet ist: „Es zieht mich nach !7.ordland ein goldener Stern.'
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