23t) Memoiren.
aber auch wieder einigen Vorteil. Z. B. unter meinen edlen Lauds-lenten, welche nach Paris kommen, sind manche, die mich hier gernverlästern möchten, aber da sie immer meinen Namen deutsch aus-sprechen, so kommt es den Franzosen nicht in den Sinn, daß derBösewicht und Unschnldbrnnnenvergiftcr, über den so schrecklich ge-schimpft ward, kein anderer als ihr Freund Nonsisnr Iknrisnns sei,und jene edlen Seelen haben vergebens ihrem Tugcndeifcr die Zügelschießen lassen; die Franzosen wissen nicht, daß von mir die Rede ist,und die trausrheuauischc Tugend hat vergebens alle Bolzen der Ver-leumdung abgeschossen.
Es hak aber, wie gesagt, etwas Mißliches, wenn man unserenNamen schlecht ausspricht. Es giebt Menschen, die in solchen Fälleneine große Empfindlichkeit an den Tag legen. Ich machte mir malden Spaß, den alten Cherubini zu befragen, ob es wahr sei, daß derKaiser Napoleon seinen Namen immer wie Laüsrubini und nicht wieXsrndivi ausgesprochen, obgleich der Kaiser des Italienischen genug-sam kundig war, um zu wissen, Ivo das italienische okr wie ein cxusoder kr ausgesprochen wird. Bei dieser Anfrage expcktorierte sich deralte Maestro mit höchst komischer Wut.
Ich habe dergleichen nie empfunden.
Heinrich, Harrst, Henri, — alle diese Namen klingen gut, wennsie von schönen Lippen gleiten. Am besten freilich klingt Liquorkimrico. So hieß ich in jenen hellblauen, mit großen silbernen Sternengestickten Sommernächten jenes edlen und unglücklichen Landes, das dieHeimat der Schönheit ist und Raphael Sanzio von Urbino, JoachimoRossini und die Principessa Christina Belgivjoso hervorgebracht hat.
Da mein körperlicher Znstand mir alle Hoffnung raubt, jemalswieder in der Gesellschaft zu leben, und letztere wirklich nicht mehrfür mich existiert, so habe ich auch die Fessel jener persönlichen Eitel-keit abgestreift, die jeden behaftet, der unter den Menschen, in dersogenannten Welt, sich herumtreiben muß.
Ich kann daher jetzt mit nubcfangcncm Sinn von dem Miß-geschick sprechen, das mit meinem Namen „Harrst" verbunden warund mir die schönsten Frühlingsjahre des Lebens vergällte und vergiftete.
Es hatte damit folgende Bewandtnis. In meiner Vaterstadtwohnte ein Mann, welcher der „Dreckmichcl" hieß, weil er jedenMorgen mit einem Karren, woran ein Esel gespannt war, die Straßender Stadt durchzog und vor jedem Hause still hielt, um deu Kehricht,welchen die Mädchen in zierlichen Haufen zusammengekehrt, aufzuladenund ans der Stadt nach dem Mistfeldc zu transportieren. Der Mannsah aus wie sein Gewerbe, und der Esel, welcher seinerseits wie seinHerr aussah, hielt still vor den Häusern oder setzte sich in Trab, jenachdem die Modulation war, womit der Michel ihm das Wort„Haarüh!" zurief.