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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
229
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Memoiren. 229

sichrer ( Korrespondent) in Liverpool: er kannte dort die besten Fa-briken, >vv Velveteen fabriziert wurde, ein Handelsartikel, der meinemVater sehr am Herzen lag, mehr aus Ambition als aus Eigennutz,denn obgleich er behauptete, daß er viel Geld an jenem Artikel ver-diene, so blieb solches doch sehr problematisch, und mein Vater hättevielleicht noch Geld hinzugesetzt, wenn es darauf ankam, den Velveteenin besserer Qualität und in größerer Quantität abzusetzen als seineKvmpetitorcn. Wie denn überhaupt mein Vater eigentlich keinenberechnenden Kaufmannsgeist hatte, obgleich er immer rechnete, undder Handel für ihn vielmehr ein Spiel war, wie die Kinder Soldatenoder Kochen spielen.

Seine Thätigkeit war eigentlich nur eine unaufhörliche Geschäf-tigkeit. Der Velveteen war ganz besonders seine Puppe, und er warglücklich, wenn die großen Frachtkarren abgeladen wurden, und schonbeim Abpacken alle Handelsjnden der benachbarten Gegend die Haus-flur füllten; denn die letzteren waren seine besten Knuden, und beiihnen fand sein Velveteen nicht bloß den größten Absatz, sondern auchehrenhafte Anerkennung.

Da du, teurer Leser, vielleicht nicht weißt, was „Velveteen" ist,so erlaube ich mir, dir zu erklären, daß dieses ein englisches Wortist, welches samtartig bedeutet, und man benennt damit eine ArtSamt von Baumwolle, woraus sehr schöne Hosen, Westen, sogarKamisole verfertigt werden. Es trägt dieser Kleidungsstoff auch denNamen „Manchester" nach der gleichnamigen Fabrikstadt, wo derselbezuerst fabriziert wurde.

Weil nun der Freund meines Vaters, der sich auf den Einkaufdes Belveteens am besten verstand, den Namen Harry führte, erhieltauch ich diesen Namen, und Harry ward ich genannt in der Familieund bei Hausfreunden und bei Nachbarn.

Ich höre mich noch jetzt sehr gern bei diesem Namen nennen,obgleich ich demselben auch viel Verdruß, vielleicht den empfindlichstenVerdruß meiner Kindheit verdankte. Erst jetzt, wo ich nicht mehrunter den Lebenden lebe und folglich alle gesellschaftliche Eitelkeit inmeiner Seele erlischt, kann ich ohne Befangenheit davon sprechen.

Hier in Frankreich ist mir gleich nach meiner Ankunft in Parismein deutscher Name „Heinrich" in „Nsnri- übersetzt worden, undich mußte mich darein schicken und auch endlich hierzulande selbstnennen, da das Wort Heinrich dem französischen Ohr nicht zusagte,und überhaupt die Franzosen sich alle Dinge in der Welt recht bequemmachen. Auch den Namen ^Icksnri Hains- haben sie nie recht aus-sprechen können, und bei den meisten heiße ich Nr. lZnri bmn; vonvielen wird dieses in ein Lnrisnns zusammengezogen, und einigenannten mich Nr. bin risn.

Das schadet mir in mancherlei litterarischer Beziehring, gewährt