Memoiren. 227
Nachbarschaft dieser Stadt, das Deutsche am besten ausgesprochenwird. Das war ein großer Vorteil für mich, daß solchermaßen schonin der Kindheit durch ineinen Vater mein Ohr an eine gute Aus-sprache des Deutschen gewöhnt wurde, während in unserer Stadt selbstjenes fatale Kauderwelsch des Niederrhcins gesprochen wird, das zuDüsseldorf noch einigermaßen erträglich, aber in dem nachbarlichenKöln wahrhaft ekelhaft wird. Köln ist das Toskana einer klassischschlechten Aussprache des Deutschen, und Kvbes klüngelt mit Marizzebillin einer Mundart, die wie sanle Eier klingt, fast riecht.
In der Sprache der Düsseldorfer merkt man schon einen Über-gang in das Froschgegnake der holländischen Sümpfe. Ich will derholländischen Sprache beileibe nicht ihre eigentümlichen Schönheitenabsprechen, nur gestehe ich, daß ich kein Ohr dafür habe. Es magsogar wahr sein, daß unsere eigene deutsche Sprache, wie patriotischeLinguisten in den Niederlanden behauptet haben, nur ein verdorbenesHolländisch sei. Es ist möglich.
Dieses erinnert mich an die Behauptung eines kosmopolitischenZoologen, welcher den Affen für den Ahnherrn deS Menschengeschlechtserklärt; die Menschen sind nach seiner Meinung nur ausgebildete, jaüberbildete Affen. Wenn die Affen sprechen könnten, sie wurdenwahrscheinlich behaupten, daß die Menschen nur ausgeartete Affen seien,daß die Menschheit ein verdorbenes Affcntnm, wie nach der Meinungder Holländer die deutsche Sprache ein verdorbenes Holländisch ist.
Ich sage: wenn die Affen sprechen könnten, obgleich ich von solchemUnvermögen des Sprechens nicht überzeugt bin. Die Neger amSenegal versichern steif und fest, die Affen feien Menschen ganz wiewir, jedoch klüger, indem sie sich des Sprechens enthalten, um nichtals Menschen anerkannt und zum Arbeiten gezwungen zu werden:ihre skurrilen Affenspäße seien lauter Pfiffigkeit, wodurch sie bei denMnchthabern der Erde für untauglich erscheinen möchten, wie wirandere ausgebeutet zu werden.
Solche Entäußerung aller Eitelkeit würde mir von diesen Menscheu, die ein stummes Inkognito beibehalten und sich vielleicht überunsere Einfalt lustig machen, eine sehr hohe Idee einflößen. Siebleiben frei in ihren Wäldern, dem Naturzustand nie entsagend. Siekönnten wahrlich mit Recht behaupten, daß der Mensch ein aus-gearteter Affe sei.
Vielleicht haben unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundertdergleichen schon geahnt, und indem sie instinktmäßig fühlten, wieunsere glatte ltbcrcivilisntion nur eine gefirnißte Fäulnis ist, undwie es nötig sei, zur Natur zurückzukehren, suchten sie sich nnscremUrtypns, dem natürlichen Affentum, wieder zu nähern. Sie thatendas Mögliche, und als ihnen endlich, um ganz Affe zu sein, nurnoch der Schwanz fehlte, ersetzten sie diesen Mangel durch den Zopf.
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