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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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226
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226 Memoiren.

Was die Sicherheit der Stadt Düsseldorf betrifft, so mag eS sehrbedenklich damit ausgesehen haben in den Nächten, Ivo mein Vaterauf der Hauptwache kommandierte. Er trug zwar Sorge, Patrouillenauszuschicken, die singend und klirrend in verschiedenen Richtungendie Stadt durchstreiften. Es geschah einst, daß zwei solcher Patrouillensich begegneten und in der Dunkelheit die einen die andern alsTrunkenbolde und Ruhestörer arretieren wollten. Zum Glück sindmeine Laudslente ein harmlos fröhliches Völkchen, sie sind im Rauschegutmütig, ZIs ont 1s vin don," und es geschah kein Malheur; sieübergaben sich wechselseitig.

Eine grenzenlose Lebenslust war ein Hauptzug im Charaktermeines Vaters, er war genußsüchtig, frohsinnig, rosenlaunig. Inseinem Gemüte war beständig Kirmes, und wenn auch manchmal dieTanzmusik nicht sehr rauschend, so wurden doch immer die Violinengestimmt. Immer himmelblaue Heiterkeit und Fanfaren des Leicht-linus. Eine Sorglosigkeit, die des vorigen Tages vergaß und nie auden kommenden Morgen denken wollte.

Dieses Naturell stand im wunderlichsten Widerspruch mit derGravität, die über sein strengruhiges Antlitz verbreitet war und sichin der Haltung und jeder Bewegung dcS Körpers kundgab. Werihn nicht kannte und zum ersten Male diese ernsthafte, gepuderte Ge-stalt und diese nächtige Miene sah, hätte gewiß glauben können, einenvon den sieben Weisen Griechenlands zu erblicken. Aber bei nähererBekanntschaft merkte man wohl, daß er weder ein Thales noch einLampsakus war, der über koSmogouischc Probleme nachgrüble. JeneGravität war zwar nicht erborgt, aber sie erinnerte doch an jeneantiken Basreliefs, wo ein heiteres Kind sich eine große tragischeMaske vor daS Antlitz hält.

Er war wirklich ein großes Kind mit einer kindlichen Naivetkt,die bei platten Verstandesvirtuosen sehr leicht für Einfalt gelten konnte,aber manchmal durch irgend einen tiefsinnigen Ausspruch das bedeutendste Anschauungsvcrmögen (Intuition) verriet.

Er witterte nüt seineu geistigen Fühlhörnern, was die Klugenerst langsam durch die Rcflektion begriffen. Er dachte weniger mitdem Kopfe als mit dem Herzen und hatte das liebenswürdigste Herz,das man sich denken kann. Das Lächeln, das manchmal um seineLippen spielte und mit der obenerwähnten Gravität gar drollig an-mutig kontrastierte, war der süße Widerschein seiner Seelengüte.

Auch seine Stimme, obgleich männlich, klangvoll, hatte etwasKindliches, ich möchte fast sagen etwas, das an Waldtöne, etwa anRotkehlchenlnute erinnerte; wenn er sprach, so drang seine Stimme sodirekt zum Herzen, als habe sie gar nicht nötig gehabt, den Weg durchdie Ohren zu nehmen.

Er redete den Dialekt Hannovers, wo, wie auch in der südlichen