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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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225
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Memoiren. 225

Vaters, und wenn dieser hier mit ihm zusammentraf, warfen sie sichwechselseitig bedeutende Blicke zu. Ja, Joly, seufzte dann mein Vater,und Joly wedelte wehmütig mit dem Schwänze.

Ich glaube, der Hund war ein Heuchler, und einst in üblerLaune, als sein Liebling über einen Fußtritt allzu jämmerlich wimmerte,gestand mein Vater, daß die Canaille sich verstelle. Am Ende wardJoly sehr räudig und da er eine wandelnde Kaserne von Flöhen ge-worden, mußte er ersäuft werden, was mein Vater ohne Einspruchgeschehen ließ. — Die Menschen fakrifizieren ihre vierfüßigen Günst-linge mit derselben Indifferenz, wie die Fürsten die zweifüßigen.

Aus der Fcldlagcrperiode meines Vaters stammte auch wohlseine grenzenlose Vorliebe für den Soldatcnstand oder vielmehr fürdas Soldatenspicl, die Lust an jenem lustigen, müßigen Leben, woGoldflitter und Scharlachlnppen die innere Leere verhüllen und dieberauschte Eitelkeit sich als Acut gebärden kann.

In seiner junkerlichen Umgebimg gab es weder militärischen Ernstnoch wahre Ruhmsucht; von Heroismus konnte gar nicht die Rede sein.Als die Hauptsache erschien ihm die Wachtparade, das klirrende Wchr-gehenke, die straff anliegende Uniform, so kleidsam für schöne Männer.

Wie glücklich war daher mein Bater, als zu Düsseldorf die Bürger-garden errichtet wurden und er als Offizier derselben die schönedunkelblaue, mit himmelblauen Samtaufschlägen versehene Uniformtragen und an der Spitze seiner Kolonnen an unserem Hause vorbei-defilieren konnte. Bor meiner Mutter, welche errötend am Fensterstand, salutierte er dann mit allerliebster Cvurtoisie; der Federbuschauf seinem dreieckigen Hute flatterte da so stolz und im Sonnenlichtblitzten freudig die Epauletten.

Noch glücklicher war mein Vater iu jener Zeit, wenn die Reihean ihn kam, als kommandierender Offizier die Hauptwache zu be-ziehen und für die Sicherheit der Stadt zu sorgen. An solchen Tagenfloß auf der Hauptwache eitel Rüdesheimer und Aßmnnnshäuser vonden trefflichsten Jahrgängen, alles auf Rechnung des kommandierendenOffiziers, dessen Freigebigkeit seine Bürgcrgardisten, seine Krethi undPlethi, nicht genug zu rühmen wußten.

Auch genoß mein Vater unter ihnen eine Popularität, die gewißebensogroß war, wie die Begeisterung, womit die alte Garde denKaiser Napoleon umjnbelte. Dieser freilich verstand seine Leute inanderer Weise zu berauschen. Den Garden meines Vaters fehlte esnicht an einer gewissen Tapferkeit, zumal wo es galt, eine Batterievon Weinflaschen, deren Schlünde vom größten Kaliber, zu erstürmen.Aber ihr Heldenmut war doch von einer andern Sorte als die, welchewir bei der alten Kaisergarde fanden. Letztere starb und übergabsich nicht, während die Gardisten meines Vaters immer am Lebenblieben und sich oft übergaben.

Heine's Werke. V. Bd. 13