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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
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224 Memoiren.

fast gar nicht bemerkbar, und so war mein Vater doch im Grundekein Abtrünniger des alten Haarbentcltums, und er hatte nur, wie somancherKryPto-Orthodoxe, dem grausamen Zeitgeiste sich äußerlich gefügt.

Die rote Uniform, worin mein Vater auf dem erwähnten Porträtabkonterfeit ist, deutet auf hannoversche Dienstverhältnisse. Im Ge-folge des Prinzen Ernst von Cumberlaud befand sich mein Vater zuAnfang der französischen Revolution und machte den Feldzug inFlandern und Brabant mit, in der Eigenschaft eines Proviantmcistcrsoder Kommissarius, oder, wie es die Franzosen nennen, eines (Mais -cls donLbs; die Preußen nennen es einen „Mehlwurm".

Das eigentliche Amt des blutjungen Menschen war aber daseines Gnustlings des Prinzen, eines Brummels^j an xstit xiscl undohne gesteifte Krawatte, und er teilte auch am Ende das Schicksalsolcher Spielzeuge der Fürstengunst. Mein Vater blieb zwar zeit-lebens fest überzeugt, daß der Prinz, welcher später König vonHannover ward, ihn nie vergessen habe, doch wußte er siH nie zuerklären, warum der Prinz niemals nach ihm schickte, niemals sichnach ihm erkundigen ließ, da er doch nicht wissen konnte, ob sein ehe-maliger Günstling nicht in Verhältnissen lebte, wo er etwa seinerbedürftig sein möchte.

Aus jener FcldzugSperiodc stammen manche bedenkliche Lieb-habereien meines VatcrS, die ihm meine Mutter nur allmählich ab-gewöhnen konnte. Z. B. er ließ sich gern zu hohem Spiel verleiten,protegierte die dramatische Kunst oder vielmehr ihre Priesterinnen,und gar Pferde und Hunde waren seine Passion. Bei seiner Ankunft in Düsseldorf, wo er sich aus Liebe für meine Mutter alsKaufmann etablierte, hatte er zwölf der schönsten Gäule mitgebracht.Er entäußerte sich aber derselben auf ausdrücklichen Wunsch seinerjungen Gattin, die ihm vorstellte, daß dieses vierfiißige Kapital zuviel Hafer fresse und gar nichts eintrage.

Schwerer ward es meiner Mutter, auch den Stallmeister zu ent-fernen, einen vierschrötigen Flegel, der beständig mit irgend einemaufgegabelten Lump im Stalle lag und Karten spielte. Er gingendlich von selbst in Begleitung einer goldenen Rcpctiernhr meinesVaters und einiger anderer Kleinodien von Wert.

Nachdem meine Mutter den Taugenichts los war, gab sie auchden Jagdhunden meines Vaters ihre Entlassung mit Ausnahme eineseinzigen, welcher Joly hieß, aber erzhäßlich war. Er fand Gnade inihren Augen, weil er eben gar nichts von einem Jagdhund an sichhatte und cm bürgerlich treuer und tugendhafter Haushund werdenkonnte. Er bewohnte im leeren Stalle die alte Kalesche meines

*) Brummet, der Name eines seiner Zeit weltberühmten Modelöwen undGünstlings des Prinzregenten von England, des nachmaligen Königs Georg IV.