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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Memoiren. 223

in einer Feuersbrunst bei meiner Mutter verloren ging und meinenVater als einen jungen Menschen von etwa achtzehn oder neunzehnJahren, in roter Uniform, das Haupt gepudert und versehen miteinem Haarbeutel, darstellt.

Dieses Porträt war günstigerweise mit Pastellfarbe gemalt. Ichsage günstigerweise, da letztere, weit besser als die Ölfarbe mit demhinzukommenden Glanzleinenfirnis, jenen Blütenstaub wiedergebenkann, den wir auf den Gesichtern der Leute, welche Puder tragen,bemerken, und die Unbestimmtheit der Züge vorteilhaft verschleiert.Indem der Maler auf besagtem Porträt mit den kreideweiß gepudertenHaaren und der ebenso weißen Halsbinde das rosige Gesicht enca-drierte, verlieh er demselben durch den Kontrast ein stärkeres Kolorit,und es tritt kräftiger hervor.

Auch die scharlachrote Farbe des Rocks, die auf Ölgemälden soschauderhaft uns angrinst, macht hier im Gegenteil einen guten Effekt,indem dadurch die Rosenfarbe des Gesichts angenehm gemildert wird.

Dck Typus von Schönheit, der sich in den Zügen desselben aus-sprach, erinnerte weder an die strenge keusche Idealität der griechischenKunstwerke, noch an den spiritualistisch schwärmerischen, aber mitheidnischer Gesundheit geschwängerten Stil der Renaissance; nein, be-sagtes Porträt trug vielmehr ganz den Charakter einer Zeit, die ebenkeinen Charakter besaß, die minder die Schönheit als das Hübsche,das Niedliche, das Kokett-Zierliche liebte; einer Zeit, die es in derFadheit bis zur Poesie brachte, jeuer süßen, geschnörkclten Zeit desRokoko, die man auch die Haarbeutelzeit nannte und die wirklich alsWahrzeichen, nicht an der Stirn, sondern am Hinterkopfe, einen Haar-beutel trug. Wäre das Bild meines Vaters auf besagtem Porträtetwas mehr Miniatur gewesen, so hätte man sagen können, der vor-treffliche Watteau habe eS gemalt, um mit phantastischen Arabeskenvon bunten Edelsteinen und Goldflittern umrahmt, auf einem Fächerder Frau von Pompadour zu paradieren.

Bemerkenswert ist vielleicht der Umstand, daß mein Vater auchin seineu späteren Jähren der altfränkischen Mode des Puders treublieb und bis an sein seliges Ende sich alle Tage pudern ließ, obgleicher das schönste Haar, das man sich denken kann, besaß. Es warblond, fast golden und von einer Weichheit, wie ich sie nur beichinesischer Flockseide gefunden.

Den Haarbeutel hätte er gewiß ebenfalls gern beibehalten, jedochder fortschreitende Zeitgeist war unerbittlich. In dieser Bedrängnisfand mein Vater ein beschwichtigendes Auskunftsmittel. Er opfertenur die Form, das schwarze Söckchen ssuestst), den Beutel; die langenHaarlocken jedoch selbst trug er seitdem wie ein breitgeflochtencsChignon mit kleinen Kämmchen auf dem Haupte befestigt. DieseHaarflechte war bei der Weichheit der Haare und wegen des Puders