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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Memoiren. 217

seiner Habseligkeiten konnte er dem sicheren Tode entgehen, und ebenseiner erprobten Reiterkunst verdankte er seine Rettung.

Nach diesem Abenteuer scheint er in England einen sicheren aberkümmerlichen Zufluchtsort gefunden zu haben. Ich schließe solchesaus einer zu London gedruckten Broschüre des Großoheims, welcheich einst, als ich in der Düsseldorfer Bibliothek bis zu den höchstenBücherbrettern kletterte, zufällig entdeckte. Es war ein Oratorium infranzösischen Versen, betiteltMoses auf dem Horcb", hatte vielleichtBezug auf die erwähnte Vision, die Vorrede war aber in englischerSprache geschrieben und von London datiert; die Verse, wie allefranzösische Verse, gereimtes lauwarmes Wasser, aber in der eng-lischen Prosa der Vorrede verriet sich der Unmut eines stolzen Mannes,der sich in einer dürftigen Lage befindet.

Ans dem Notizeubnch des Großohcims konnte ich nicht vielSicheres ermitteln; es war, vielleicht aus Vorsicht, meistens mit ara-bischen, syrischen und koptischen Buchstaben geschrieben, worin sonder-bar genug französische Citate vorkamen, z. B. sehr oft der Vers:On I'innoosnos porit o'sst nn orims eis vivro.

Mich frappierten auch manche Äußerungen, die ebenfalls in fran-zösischer Sprache geschrieben; letztere scheint das gewöhnliche Idiomdes Schreibenden gewesen zu sein.

Eine rätselhafte Erscheinung, schwer zu begreifen, war dieserGrvßohcim. Er führte eine jener wunderlichen Existenzen, die nurim Anfang und in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts möglichgewesen; er war halb Schwärmer, der für kosmopolitische, wclt-beglückende Utopien Propaganda machte, halb Glücksritter, der imGefühl seiner individuellen Kraft die morschen Schranken einermorschen Gesellschaft durchbricht oder überspringt. Jedenfalls war erganz ein Mensch.

Sein Charlatanismns, den wir nicht in Abrede stellen, war nichtvon gemeiner Sorte. Er war kein gewöhnlicher Charlatan, der denBauern ans den Märkten die Zähne ausreißt, sondern er drang mutigin die Paläste der Großen, denen er den stärksten Backzahn ausriß,wie weiland Ritter Hüon von Bordeaux dem Sultan von Babylonthat. Klappern gehört zum Handwerk, sagt das Sprichwort, und dasLeben ist ein Handwerk wie jedes andere.

Und welcher bedeutende Mensch ist nicht ein bißchen Charlatan?Die Charlatane der Bescheidenheit sind die schlimmsten mit ihremdemütig thnenden Dünkel! Wer gar auf die Menge wirken will, be-darf einer charlatanischen Znthat.

Der Zweck heiligt die Mittel. Hat doch der liebe Gott selbst, alser auf dem Berge sinai sein Gesetz promulgierte, nicht verschmäht,bei dieser Gelegenheit tüchtig zu blitzen und zu donnern, obgleich dasGesetz so vortrefflich, so göttlich gut war, daß es füglich aller Znthat