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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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216
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216 Memoiren.

Agrippa von Nettesheim, dessen Odilos opkna oeonlta," ich hier zumerstenmal zu Gesicht bekam. Schön den Knaben amüsierte die Dedi-kationsepistel an den Abt Trithcm, dessen Antwortschreiben beigedrnckt,wo dieser Compsre dem andern Charlatan seine bombastischen Kom-plimente nnt Zinsen zurückerstattet.

Der beste und kostbarste Fund jedoch, den ich in den bestäubtenKisten machte, war ein Notizenbuch von der Hand eines Brudersmeines Großvaters, den man den Chevalier oder den Morgenländernannte, und von welchem die alten Muhmen immer so viel zu singenund zu sagen wußten.

Dieser Großoheim, welcher ebenfalls Simon de Geldern hieß,muß ein sonderbarer Heiliger gewesen sein. Den ZunamenderMorgenländer" empfing er, weil er große Reisen im Oriente gemachtund sich bei seiner Rückkehr immer in orientalische Tracht kleidete.

Am längsten scheint er in den Küstcnstädtcn Nordafrikas, nament-lich in den marokkanischen Staaten verweilt zu haben, wo er voneinen, Portugiesen das Handwerk eines Waffenschmieds erlernte unddasselbe mit Glück betrieb.

Er wallfahrtete nach Jerusalem, wo er in der Verzückung desGebetes, auf dem Berge Moria, ein Gesicht hatte. Was sah er? Eroffenbarte es nie.

Ein unabhängiger Bedninenstamm, der sich nicht zum Islam,sondern zu einer Art Mvsaismus bekannte und in einer der un-bekannten Oasen der nvrdafrikanischen Sandwüste gleichsam sein Ab-steigequartier hatte, wäblte ihn zu seinem Anführer oder Scheich.Dieses kriegerische Völkchen lebte in Fehde mit allen Nachbarstämmcnnnd war der Schrecken der Karawanen. Europäisch zu reden, meinseliger Großoheim, der fromme Visionär vom heiligen Berge Moria,ward Räuberhanptmann. In dieser schönen Gegend erwarb er auchjene Kenntnisse von Pferdezucht und jene Reiterkünste, womit er nachseiner Heimkehr ins Abendland so viele Bewnndernng erregte.

An den verschiedenen Höfen, wo er sich lange aufhielt, glänzteer auch durch seine persönliche Schönheit nnd Stattlichkcit, sowie auchdurch die Pracht der orientalischen Kleidung, welche besonders ans dieFrauen ihren Zauber übte. Er imponierte wohl noch am meistendurch sein vorgebliches Geheimwissen, nnd niemand wagte es, denallmächtigen Nekromantcn bei seinen hohen Gönnern herabzusetzen.Der Geist der Jntrigne fürchtete die Geister der Kabale.

Nur sein eigener Übermut konnte ihn ins Verderben stürzen,nnd sonderbar geheimnisvoll schüttelten die alten Muhmen ihre greisenKöpflein, wenn sie etwas von dem galanten Verhältnis munkelten,worin derMvrgenländer" mit einer sehr erlauchten Dame stand,und dessen Entdeckung ihn nötigte, aufs schleunigste den Hof nnd dasLand zu verlassen. Nur durch die Flucht mit Hinterlassung aller