Memoiren, 215
Palast verwandeln würde, wie es in allen Zaubergeschichtcn zu ge-schehen Pflegt,
Doch die alte gute Märchenzeit ist verschwunden, die Katzenbleiben Katzen, und die Dachstube der Arche Nvä blieb eine staubigeRumpclkammer, ein Hospital für inkurablen Hansrat, eine Sal-petriäre*) für alte Möbel, die den äußersten Grad der Dekrcpitüdeerlangt, und die mau dvch nicht Vvr die Thüre schmeißen darf, aussentimentaler Anhänglichkeit und Berücksichtigung der frommen Er-innerungen, die sich damit verknüpften.
Da stand eine morsch zerbrochene Wiege, worin einst meineMutter gewiegt worden; jetzt lag darin die Staatsperücke meinesGroßvaters, die ganz vermodert war und vor Alter kindisch gewordenzu sein schien.
Der verrostete Galauteriedegen des Großvaters und eine Feuer-zange, die nur einen Arm hatte, und anderes invalides Eisengeschirrhing an der Wand. Daneben auf einem wackligen Brette stand derausgestopfte Papagei der seligen Großmutter, der jetzt ganz entfiedertund nicht mehr grün, sondern aschgrau war und mit dem einzigenGlasauge, das ihm geblieben, sehr unheimlich aussah.
Hier stand auch ein großer, grüner Mops von Porzellan, welcherinwendig hohl war; ein Stück des Hinterteils mar abgebrochen, unddie Katze schien für dieses chinesische oder japanische Kunstbild einengroßen Respekt zu hegen; sie machte vor demselben allerlei devoteKatzenbuckel und hielt es vielleicht für ein göttliches Wesen; die Katzensind so abergläubisch.
In einem Winkel lag eine alte Flöte, welche einst meiner Muttergehört; sie spielte darauf, als sie noch ein junges Mädchen war, undeben jene Dachkammer wählte sie zu ihrem Konzertsaale, damit deralte Herr, ihr Vater, nicht von der Musik in seiner Arbeit gestörtoder auch ob dem sentimentalen Zeitverlust, dessen sich seine Tochterschuldig machte, unwirsch würde. Die Katze hatte jetzt diese Flöte zuihrem liebsten Spielzeug erwählt, indem sie an dem verblichenen Nosa-band, das an der Flöte befestigt war, dieselbe hin und her auf demBoden rollte.
Zu den Antiquitäten der Dachkammer gehörten auch Weltkugeln,die wunderlichsten Planctenbilder und Kolben und Retorten, erinnerndan astrologische und alchimistische Studien,
In den Kisten, unter den Büchern des Großvaters befanden sichauch viele Schriften, die auf solche Geheimwissenschaften Bezug hatten.Die meisten Bücher waren freilich medizinische Scharteken, An philo-sophischen war kein Mangel, doch neben dem erzvernünftigen Cartesiusbefanden sich auch Phantasten wie Paracelsus, von Helmont und gar
Name eines Asyls für Sieche in Paris,