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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Memoiren. 213

Straßen trippelte, von einer Schulter zur andern flog, allerlei Kapri-olen schnitt und sich über seinen eigenen Herrn hinter seinem Rinkenzu mokieren schien.

Oft, wenn der gute Onkel in Gedanken vertieft saß oder dieZeitung las, überschlich mich dnS frevle Gelüste, heimlich sein Zöpfchenzu ergreifen und daran zu ziehen, als wäre es eine Hausklingcl,worüber ebenfalls der Ohm sich sehr erboste, indem er jammernd dieHände rang über die junge Brut, die vor nichts mehr Respekt hat,weder durch die menschliche noch durch göttliche Autorität mehr inSchranken zu halten und sich endlich an dem Heiligsten vergreifen werde.

War aber das Äußere des Mannes nicht geeignet, Respekt ein-zuflößen, so war sein Inneres, sein Herz desto respektabler, und eswar das bravste und edelmütigste Herz, das ich hier auf Erden kennenlernte. Es war eine Ehrenhaftigkeit in dem Manne, die an denRigorismus der Ehre in altspanischen Dramen erinnerte, und auchin der Treue glich er den Helden derselben. Er hatte nie Gelegen-heit, derArzt seiner Ehre" zu werden, doch einstandhafter Prinz"war er in ebenso ritterlicher Größe, obgleich er nicht in vicrsüßigenTrochäen deklamierte, gar nicht nach Tvdespalmcn lechzte und stattdes glänzenden Rittcrmantels ein scheinlvses Röckchen mit Bachstelzcn-schwanz trug.

Er war durchaus kein sinnenfeindlichcr Askete, er liebte Kirmes-seste, die Weinstube des Gastwirts Rasia, Ivo er besonders gernKrnmtsvögel mit Wachholderbceren aber alle Kramtsvögel dieserWelt und alle ihre Lebensgenüsse opferte er mit stolzer Entschieden-heit, wenn es die Idee galt, die er für wahr und gut erkannt. Under that dieses mit solcher Anspruchslosigkeit, ja Verschämtheit, daßniemand merkte, wie eigentlich ein heimlicher Märlhrer in dieser spaß-haften Hülle steckte.

Nach weltlichen Begriffen war sein Leben ein verfehltes. Simonde Geldern hatte im Kollegium der Jesuiten seine sogenannten huma-nistischen Studien, Humaniora, gemacht, doch als der Tod seinerEltern ihm die völlig freie Wahl einer Lcbenslanfbahn ließ, wählteer gar keine, verzichtete auf jedes sogenannte Brotstudinm der aus-ländischen Universitäten und blieb lieber daheim zu Düsseldorf inderArche Noä", wie das kleine Hans hieß, welches ihm sein Baterhinterließ und über dessen Thürc das Bild der Arche Noä recht hübschausgemeißelt und bunt koloriert zu schauen war.

Bon rastlosem Fleiße, überließ er sich hier allen seinen gelehrtenLiebhabereien und Schnnrrpfeifereien, seiner Bibliomanie und besonderS seiner Wut des Schriftstellerns, die er besonders in politischenTagesblättern und obskuren Zeitschriften ausließ.

Nebenbei gesagt kostete ihm nicht bloß das Schreiben, sondernauch das Denken die größte Anstrengung.