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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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212
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212 Memoiren.

Kopf geschüttelt und um meiner los zu werden, mich an Sie verwies,der ebenso tolle Grillen im Kopfe trüge wie ich und mich daher weitbesser verstünde, hier ist nun der Bulk!

Nach diesen Worten, ohne Antwort zu erwarten, trottelte dernärrische Kauz wieder fort, und da ich eben zu Frau von Varnhagenging, nahm ich das Manuskript mit, um ihr die Primeur einesDichters zu verschaffen; denn ich hatte an den wenigen Stellen, dieich las, schon gemerkt, daß hier ein Dichter war.

Wir erkennen das poetische Wild schon am Geruch. Aber derGeruch war diesmal zu stark für weibliche Nerven, und spät schon,gegen Mitternacht, ließ mich Frau von Varnhagen rufen und be-schwor mich um Gottes willen, das entsetzliche Manuskript wieder zurück-zunehmen, da sie nicht schlafen könne, solange sich dasselbe noch imHause befände. Einen solchen Eindruck machten Grabbcs Produk-tionen in ihrer ursprünglichen Gestalt. *)

Obige Abschweifung mag ihr Gegenstand selbst rechtfertigen.

Die Ehrenrettung einer Mutter ist überall an ihrem Platze, undder fühlende Leser wird die oben mitgeteilten Äußerungen GrabbcSüber die arme verunglimpfte Frau, die ihn zur Welt gebracht, nichtals eine müßige Abschweifung betrachten.

Jetzt aber, nachdem ich mich einer Pflicht der Pietät gegen einenunglücklichen Dichter erledigt habe, will ich wieder zu meiner eigenenMutter und ihrer Sippschaft zurückkehren, in weiterer Besprechungdes Einflusses, der von dieser Seite ans meine geistige Bildung aus-geübt wurde.

Nach meiner Mutter beschäftigte sich mit letzterer ganz besondersihr Bruder, mein Oheim Simon de Geldern. Er ist tot seit 26 Jahren.Er war ein Sonderling von unscheinbarem, ja sogar närrischemÄußeren. Eine kleine, gehäbige Figur mit einem bläßlichen, strengenGesichte, dessen Nase zwar griechisch geradlinig, aber gewiß um einDrittel länger war, als die Griechen ihre Nasen zu tragen pflegten.

In seiner Jugend, sagte man, sei diese Nase von gewöhnlicherGröße gewesen und nur durch die üble Gewohnheit, daß er sich be-ständig daran zupfte, soll sie sich so übergebührlich in die Länge ge-zogen haben. Fragten wir Kinder den Ohm, ob das wahr sei, soverwies er uns solche rcspektwidrige Rede mit großem Eifer undzupfte sich dann wieder an der Nase.

Er ging ganz altfränkisch gekleidet, trug kurze Beinkleider, weiß-seidene Strümpfe, Schnallenschuhe und nach der alten Mode einenziemlich langen Zopf, der, wenn das kleine Männchen durch die

*) Über GrabbesGothland" heißt es in HeinesGedanken und Einfällen":Zuweilen eine Reihe fürchterlicher und häßlicher Gedanken, wie ein Zug Galeeren-sklaven, jeder gebrandmarkt der Dichter führt sie an der Kette in das Vagnoder Poesie."