Memoiren,
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Meine Mutter machte eine noch ernstere Miene als gewöhnlich.Aber ich war ein sehr erwachsener Mensch geworden, der in dem Alterstand, Ivo er der mütterlichen Obhut entbehren muh.
Die gute Frau war ebenfalls älter geworden, und indem sienach so manchem Fiasko die Oberleitung meines Lebens aufgab, be-reute sie, wie wir oben gesehen*), daß sie mich nicht dem geistlichenStande gewidmet,
Sie ist jetzt eine Matrone von 87 Jahren und ihr Geist hatdu rch das Alter nicht gelitten, Über meine wirkliche Denkart hat siesich nie eine Herrschaft angemaßt und mar für mich immer dieSchonung und Liebe selbst,
Ihr Glauben war ein strenger Deismus, der ihrer vorwaltendenVernunftrichtnng ganz angemessen, Sie war eine Schülerin Rousseans,hatte dessen .Kmils« gelesen, säugte selbst ihre Kinder, und Er-ziehungswesen war ihr Steckenpferd, Sie selbst hatte eine gelehrteErziehung genossen und war die Stndiengefährtin eines Bruders ge-wesen, der ein ausgezeichneter Arzt ward, aber früh starb. Schonals ganz junges Mädchen muhte sie ihrem Vater die lateinischenDissertationen und sonstige gelehrte Schriften vorlesen, wobei sie oftden Alten durch ihre Fragen in Erstannen setzte,
Ihre Vernunft und ihre Empfindung war die Gesundheit selbst,und nicht von ihr erbte ich den Sinn für das Phantastische und dieRomantik, Sie hatte, wie ich schon erwähnt, eine Angst vor Poesie,entriß mir jeden Roman, den sie in meinen Händen fand, erlaubtemir keinen Besuch des Schauspiels, versagte mir alle Teilnahme anVolkSsPiclen, überwachte meinen Umgang, schalt die Mägde, welchein meiner Gegenwart Gespenstergeschichten erzählten, kurz, sie thatalles mögliche, um Aberglauben und Poesie von mir zu entfernen,Sic war sparsam, aber nur in Bezug auf ihre eigene Person,für das Vergnügen anderer konnte sie verschwenderisch sein, und dasie das Geld nicht liebte, sondern nur schätzte, schenkte sie mit leichterHand und setzte mich oft durch ihre Wohlthtttigkcit und Freigebigkeitin Erstaunen,
Welche Aufopferung bewies sie dem Sohne, dem sie in schwierigerZeit nicht bloß das Programm seiner Studien, sondern auch dieMittel dazu lieferte! Als ich die Universität bezog, waren die Ge-schäfte meines Vaters in sehr traurigem Zustand, und meine Mutterverkaufte ihren Schmuck, Halsband und Ohrringe von großem Werte,um mir das Auskommen für die vier ersten Univcrsitätsjahre zu sichern.Ich war übrigens nicht der erste in unserer Familie, der ansder Universität Edelsteine aufgegessen und Perlen verschluckt hatte.
"1 Muß in den von Maximilian Heine vernichteten Anfangsblättern gestandenhaben.
?einc's Werke, V, Vd.
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