MF Memoiren.
doch lernte ich bei dieser Gelegenheit, wie man einen Wechsel ausstelltund wie Muskatnüsse aussehen.
Ein berühmter Kaufmann, bei welchem ich ein npxrsnti rnillio-nnirs werden wollte, meinte, ich hatte kein Talent zum Erwerb, undlachend gestand ich ihm, daß er wohl recht haben möchte.
Da bald darauf eine große Handelskrisis entstand und, wie vieleunserer Freunde, auch mein Vater sein Vermögen verlor, da platztedie mcrkantilische Seifenblase und schneller und kläglicher als dieimperiale, und meine Mutter mußte nun wohl eine andere Laufbahnfür mich träninen.
Sie meinte jetzt, ich müsse durchaus Jurisprudenz studieren.
Sie hatte nämlich bemerkt, wie längst in England, aber auch inFrankreich und im konstitutionellen Deutschland der Juristcnstnndallmächtig sei, und besonders die Advokaten durch die Gewohnheit desöffentlichen Vortrags die schwatzenden Hauptrollen spielen und dadurchzu den höchsten Staatsämtern gelangen. Meine Mutter hatte ganzrichtig beobachtet.
Da eben die neue Universität Bonn errichtet worden, wo diejuristische Fakultät von den berühmtesten Professoren besetzt war, schicktemich meine Mutter unverzüglich nach Bonn, wo ich bald zu den FüßenMackcldeys und Welkers saß und die Manna ihres Wissens einschlürftc.
Bon den sieben Jahren, die ich auf deutschen Universitäten zu-brachte, vergeudete ich drei schöne blühende Lebensjahre durch dasStudium der römischen Kasuistik, der Jurisprudenz, dieser illiberalstenWissenschaft.
Welch ein fürchterliches Buch ist das Korpus juris, die Bibeldes Egoismus!
Wie die Römer selbst blieb mir immer verhaßt ihr Rcchtskvdcx.Diese Räuber wollten ihren Raub sicher stellen, und was sie mit demSchwerte erbeutet, suchten sie durch Gesetze zu schützen; deshalb warder Räuber zu gleicher Zeit Soldat und Advokat und es entstandeine Mischung der widerwärtigsten Art.
Wahrhaftig, jenen römischen Dieben verdanken wir die Theoriedes Eigentums, das vorher nur als Thatsachc bestand, und die Aus-bildung dieser Lehre in ihren schnödesten Konsequenzen ist jenes ge-priesene römische Recht, das allen unseren heutigen Legislationen, jaallen modernen Staatsinstitnten zu Grunde liegt, obgleich es imgrellsten Widerspruch mit der Religion, der Moral, dem Menschen-gefühl und der Vernunft steht.
Ich brachte jenes gottverfluchte Studium zu Ende, aber ich konntemich nimmer entschließen, von solcher Errungenschaft Gebrauch zumachen, und vielleicht auch weil ich fühlte, daß andere mich in derAdvokasserie und Rabnlistcrci leicht überflügeln würden, hing ichmeinen juristischen Doktorhut an den Nagel.