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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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206
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206 Memoiren.

System der französischen Poesie, dieser art cis xsinckrs pur Iss inruMs,wie die Franzosen dieselbe definieren, welcher verkehrte Begriff vielleichtdazu beiträgt, daß sie immer in die malerische Paraphrase geraten.

Ihre Metrik hat gewiß Prokrustes erfunden; sie ist eine wahreZwangsjacke für Gedanken, die bei ihrer Zahmheit gewiß nicht einersolchen bedürfen. Daß die Schönheit eines Gedichtes in der Über-windung der metrischen Schwierigkeiten bestehe, ist ein lächerlicherGrundsatz, derselben närrischen Quelle entsprungen. Der französischeHexameter, dieses gereimte Rülpsen jüoguoth, ist mir wahrhaft einÄbscheu. Die Franzosen haben diese widrige Unnatur, die weit sünd-hafter als die Greuel von Sodom und Gomorrha, immer selbst ge-fühlt, und ihre guten Schauspieler sind darauf angewiesen, die Verseso saecadiert zu sprechen, als wären sie Prosa warum aber als-dann die überflüssige Mühe der Versifikation?

So denk' ich jetzt und so fühlt' ich schon als Knabe, und mankann sich leicht vorstellen, daß es zwischen mir und der alten braunenPerücke zu offenen Feindseligkeiten kommen mußte, als ich ihm er-klärte, wie es mir rein unmöglich sei, französische Verse zu machen.Er sprach mir allen Sinn für Poesie ab und nannte mich einen Bar-baren des Teutoburger Waldes.

Ich denke noch mit Entsetzen daran, daß ich aus der Chresto-mathie des Professors die Anrede des Kaiphas an den Sanhedrinaus den Hexametern der Klopstvckschcn Messiade in französische Alexan-driner übersetzen sollte! Es war ein Raffinement von Grausamkeit,die alle Passionsqualen des Messias selbst übersteigt, und die selbstdieser nicht ruhig erduldet hätte. Gott verzeih, ich verwünschte dieWelt und die fremden Unterdrücker, die uns ihre Metrik aufbiirdenwollten, und ich war nahe daran, ein Franzosenfresser zu werden.

Ich hätte für Frankreich sterben können, aber französische Versemachen nimmermehr!

Durch den Rektor und meine Mutter wurde der Zwist beigelegt.Letztere war überhaupt nicht damit zufrieden, daß ich Verse machenlernte, und seien es auch nur französische. Sie hatte nämlich damalsdie größte Angst, daß ich ein Dichter werden möchte; daS wäre dasschlimmste, sagte sie immer, was mir passieren könne.

Die Begriffe, die man damals mit dem Namen Dichter ver-knüpfte, waren nämlich nicht sehr ehrenhaft, und ein Poet war einzerlumpter, armer Teufel, der für ein paar Thaler ein Gelegenheits-gedicht verfertigt und am Ende im Hospital stirbt.

Meine Mutter aber hatte große, hochfligende Dinge mit mir imSinn, und alle Erziehungspläne zielten darauf hin. Sie spielte dieHauptrolle in meiner Entwicklungsgeschichte, sie machte die Programmealler meiner Studien, und schon vor meiner Geburt begannen ihreErziehungsplane. Ich folgte gehorsam ihren ausgesprochenen Wünschen,