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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
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Rosenkränze, die nuten im Hut lagen, auch etwas von dem päpst-lichen Segen abbekämen und alle gleichmäßig geweiht würden.

Ich konnte nicht umhin, diesen ruhrenden Zug von frommerNaivctät hier einzuflechten, und ergreife wieder den Faden meinerGeständnisse, die alle auf den geistigen Prozeß Bezug haben, den ichspäter durchmachen mußte.

Aus den frühesten Anfängen erklären sich die spätesten Erschei-nungen, Es ist gewiß bedeutsam, daß mir bereits in meinem drei-zehnten Lebensjahr alle Systeme der freien Denker vorgetragen wurden,und zwar durch einen ehrwürdigen Geistlichen, der seine sacerdotalenAmtspflichten nicht im geringsten vernachlässigte, so daß ich hier frühesah, wie ohne Heuchelei Religion und Zweifel ruhig nebeneinandergingen, woraus nicht bloß in mir der Unglauben, sondern auch dietoleranteste Gleichgültigkeit entstand.

Ort und Zeit sind auch wichtige Momente: ich bin geboren zuEnde des skeptischen achtzehnten Jahrhunderts und in einer Stadt,wo zur Zeit meiner Kindheit nicht bloß die Franzosen, sondern auchder französische Geist herrschte.

Die Franzosen, die ich kennen lernte, machten mich, ich muß esgestehen, mit Büchern bekannt, die sehr unsauber und mir ein Vor-urteil gegen die ganze französische Litteratur einflößten.

Ich habe sie auch später nie so sehr geliebt, wie sie es verdient,und am ungerechtesten blieb ich gegen die französische Poesie, die mirvon Jugend an fatal war.

Daran ist wohl zunächst der vermaledeite Abbs Daunoi schuld,der im Lyceum zu Düsseldorf die französische Sprache dotierte undmich durchaus zwingen wollte, französische Verse zu machen. Wenigfehlte, und er hätte mir nicht bloß die französische, sondern die Poesieüberhaupt verleidet.

Der Abbs Daunoi, ein emigrierter Priester, war ein ältlichesMännchen mit den beweglichsten Gcsichtsmuskelu und mit einer brauneuPerücke, die, so oft er in Zorn geriet, eine sehr schiefe Stellung annahm.

Er hatte mehrere französische Grammatiken, sowie auch Chresto-mathien, worin Auszüge deutscher und französischer Klassiker, zum.Übersehen, für seine verschiedenen Klassen geschrieben; für die obersteveröffentlichte er auch eine .^.rt oratoirs und eine lprt xostigns,zwei Büchlein, wovon das erstere Beredsamkeitsrezepte aus Quintilianenthielt, angewendet auf Beispiele von Predigten Flschiers, MassillionS,Bourdaloues und Bossuets, welche mich nicht allzusehr langweilten.Aber gar das andere Buch, das die Definitionen von der Poesie:l'art clg xsinclrs pur las iirra^ss, den faden Abhub der alten Schulevon Batteux, auch die französische Prosodie und überhaupt die ganzeMetrik der Franzosen enthielt, welch ein schrecklicher Alp!

Ich kenne auch jetzt nichts Abgeschmackteres als das metrische