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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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MV Über Polen.

reißend schmelzenden Klagcncrguß der Madame Szymkaylowa, welchedie Jadwiga, Tochter des in Anklagezustand gesetzten Starosts spielte.Die Sprache des Herrn Wlvdek, Liebhaber Jadwigas, trug dasselbesentimentale Kolorit. An die Stelle der tabakschnnpfenden Alten warein schnupfender Haushofmeister,Tadeusz Telempski", substituiert,den Herr Zebrowski ziemlich unbedeutend gab. Eine unvergleichlicheAnmut zeigten die polnischen Sängerinnen, und das sonst so rohePolnische kiang mir wie italienisch, als ich es singen horte. MadameSkibinska beseligte meine Seele als Prinzessin von Navarra, alsZetulba imKalifen von Bagdad", und als Alme. Eine solcheAlme habe ich noch nie gehört. In der Scene, da sie ihren Ge-liebten in den Schlaf singt und die bedrängenden Botschaften erhält,zeigte sie auch ein Spiel, wie es selten bei einer Sängerin gefundenwird. Sie und ihr heiteres Golkvnda werden mir noch lange vor denAugen schweben und in den Ohren klingen. Madame Zawadzka isteine liebliche Lorezza, ein freundlich schönes Mädchenbild. AuchMadame Wlvdkowa singt trefflich. Herr Zawadzki singt den Olivicrganz vorzüglich, spielt ihn aber schlecht. Herr Romanowski giebteinen gutenJohann". Herr Szymkaylo ist ein gar köstlicher Busfo.Aber die Polen haben keinen Anstand! Biel mag der Reiz der Neuheit dazu beigetragen haben, daß mich die polnischen Schauspieler sosehr ergötzten. Bei jeder Vorstellung, die sie gaben, war das Hausgedrängt voll. Alle Polen, die in Posen sind, besuchten ans Patrio-tismus das Theater. Die meisten polnischen Edelleute, deren Guternicht gar zu weit von hier entfernt liegen, reisten nach Posen, umpolnisch spielen zu sehen. Der erste Rang war gewöhnlich garniertvon polnischen Schönen, die, Blume an Blume gedrängt, heiter bei-sammen saßen und vom Parterre aus den herrlichsten Anblick gewährten.

Von Antiquitäten der Stadt Pvscn und des Großherzogtnmsüberhaupt will ich Ihnen nichts schreiben, da sich jetzt ein weit er-fahrener Altertumsforscher, als ich bin, damit beschäftigt, und gewißbald dem Publikum viel Interessantes darüber mitteilen wird. Dieserist der hiesige Professor Maximilian Schottky, der sechs Jahre imAuftrag unserer Regierung in Wien zubrachte, um dort deutsche Gc-schichts- und Sprachurkunden zu sammeln. Angetrieben von einemjugendlichen Enthusiasmus für diese Gegenstände, und dabei unter-stützt von den gründlichsten gelehrten Kenntnissen, hat ProfessorSchottky eine litterarische Ausbeute mitgebracht, die der deutsche Alter-tumsforscher als unschätzbar betrachten kann. Mit einem beispiel-losen Fleiße und einer rastlosen Thätigkcit muß derselbe in Wiengearbeitet haben, da er nicht weniger als scchsunddreißig dicke, undzwar sehr dicke, und fast sämtlich schön geschriebene QnnrtbändeManuskript von dort mitgebracht hat. Außer ganzen Abschriften alldeutscher Gedichte, die gut gewählt und für die Berliner und Brcs