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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
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198 Über Polen,

Getratsche jener Gefühlvollen, die sich für die Bühne berufen glauben,weil sie vielleicht im Leben die sentimentale oder kokette Rolle miteinigem Sncceß gespielt, und die man von den Brettern fortpfeifcnmochte, eben weil man sie im einsamen Klosett herzlich applaudierenwürde, Demoiselle Paien spielt mit gleichem Glücke auch die hctc-rvgenstcn Rollen, eine Elisabeth so gut wie eine Marie, Am bestengefiel sie mir jedoch im Lustspiel, in Konversationsstücken, und dabesonders in jovialen, neckenden Rollen, Sie ergötzte mich königlichals Paulinc inSorgen ohne Not und Not ohne Sorge", BeiDemoiselle Paien fand ich ein freies Spielen von innen heraus, einewohlthuende Sicherheit, eine fortreißende Kühnheit, ja fast Verwegen-hcit des Spiels, wie wir es nur bei einem echten, großen Talentegewahren. Ich sah sie ebenfalls mit Entzücken in einigen Männer-rollen, z, B, in derLiebeserklärung" und in WolffsCäsariv"; nurhätte ich hier eine etwas eckige Bewegung der Arme zu rügen, welchenFehler ich aber auf Rechnung der Männer setze, die ihr zum Musterdienen. Demoiselle Paien ist zu gleicher Zeit Sängerin und Tänzerin,hat ein günstiges Außere, und es wäre schade, wenn dieses knnst-bcgabte Mädchen in den Sümpfen herumziehender Truppen unter-gehen müßte.

Ein branchbares Subjekt der Posener Bühne ist Herr Carlscn,er verdirbt keine Rolle; auch muß man Madame Paien eine guteSchauspielerin nennen, Sie glänzt in den Rollen lächerlicher Alten,Als Geliebte Schieberles gefiel sie mir besonders, Sic spielt eben-falls keck und frei, und hat nicht den gewöhnlichen Fehler derjenigenSchauspielerinnen, die zwar mit vieler Kunst solche Altcweiberrvllendarstellen, uns aber doch gern merken lassen möchten, daß in deralten Schachtel noch immer eine aimable Frau stecke, Herr Olden-burg, ein schöner Mann, ist als Liebhaber im Lustspiel unerquicklichund ein Muster von Steifheit und llnbeholfenheit; als Heldliebhaberist er ziemlich erträglich. Es ist nicht zu verkennen, daß er Anlagezum Tragischen hat; aber seinen langen Armen, die bei den Knieenperpendikclartig hin und her fliegen, muß ich alles Schanspielertalcutdurchaus absprechen. Als Richard inRosamnnda" gefiel er nuraber, und ich übersah manchmal den falschen Pathos, weil solcher imStiicke selbst liegt. In diesem Trauerspiel gefiel mir sogar HerrWunsch als König am Ende des zweiten Akts in der unübertreff-lichen Knalleffektscene, Herr Wunsch Pflegt gewöhnlich, wenn er inLeidenschaft gerät, einem Gebell ähnliche Töne auszustoßen, DemoiselleFranz, ebenfalls erste Liebhaberin, spielt schlecht anS Bescheidenheit;sie hat etwas Sprechendes im Gesicht, nämlich einen Mund, MadameFabrizins ist ein niedliches Figürchen, und gewiß enchanticrcnd außerdein Theater, Ihr Mann, Herr Fabrizins, hat in dem Lustspiel:Des Herzogs Befehl" den großen Fritz so meisterhaft parodiert, daß