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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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ZWik

Uber Polen.

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Vergebens wallfahrte ich alle Morgen von einer Kirche znr andern,um schöne alte Bilder aufzusuchen. Die alten Gemälde finde ich hiernicht schön, und die einigermaßen schönen sind nicht alt. Die Polenhaben die fatale Gewohnheit, ihre Kirchen zu renovieren. Im uraltenDome zu Gnesen, der ehemaligen Hauptstadt Polens, fand ich lauterneue Bilder und neue Verzierungen. Dort interessierte mich nur diefigurenreichc, aus Eisen gegossene Kirchenthür, die einst das Thorvon Kiew war, welches der siegreiche Bognslaw erbeutete, und worinnoch sein Schwerthieb zu sehen ist. Der Kaiser Napoleon hat sich,als er in Gnesen mar, ein Stückchen aus dieser Thür herausschneidenlassen, und diese hat durch solche hohe Aufmerksamkeit noch mehr anWert gewonnen. In dem Gnesener Dom hörte ich auch nach derersten Messe einen vierstimmigen Gesang, den der heilige Adalbert,der dort begraben liegt, selbst komponiert haben soll und der alleSonntage gesungen wird. Der Dom hier in Posen ist neu, hatwenigstens ein neues Ansehen, und folglich gefiel er mir nicht. Nebendemselben liegt der Palast des Erzbischofs, der auch zugleich Erz-bischof von Gnesen, und folglich zugleich römischer Kardinal ist, undfolglich rote Strümpfe trägt. Er ist ein sehr gebildeter, französischnrbaner Mann, weißhaarig und klein. Der hohe Klerus in Polengehört innner zu den vornehmsten adeligen Familien; der niedereKlerus gehört zum Plebs, ist roh, unwissend und ranschlicbend.Jdeenassvciation führt mich direkt auf das Theater. Ein schönes Ge-bäude haben die hiesigen Einwohner den Musen zur Wohnung an-gewiesen; aber die göttlichen Damen sind nicht eingezogen, und schicktennach Posen bloß ihre Kammerjnngfern, die sich mit der Garderobeihrer Herrschaft putzen und auf den geduldigen Brettern ihr Wesentreiben. Die eine spreizt sich wie ein Pfau, die andere flattert iviceine Schnepfe, die dritte kollert wie ein Truthahn, und die viertehüpft ans einem Beine wie ein Storch. Das entzückte Publikum abersperrt ellenwcit den Mund ans, der Epaulett-Mensch ruft!Auf Ehre,Melpomcnc! Thalia! Polyhhmnia! Tcrpsichore!" Auch einenThentcr-Rcccnsenten gicbt es hier. Als wenn die unglückliche Stadtnicht genug hätte an dem bloßen Theater! Die trefflichen Recensioncndieses trefflichen Recensenten flehen bis jetzt nur in der Posencr Stadt-zeitung, werden aber bald als eine Fortsetzung der Lessingscheu Dra-maturgie gesammelt erscheinen!! Doch mag sein, daß mir diesesProvinzialthcater so schlecht erscheint, weil ich just von Berlin kommeund noch zuletzt die Schröck und die Stich sah. Nein, ich will nichtdas ganze Poscner Theater verdammen; ich bekenne sogar, daß esein ganz ausgezeichnetes Talent, zwei gute Subjekte und einige nichtganz schlechte besitzt. Das ausgezeichnete Talent, wovon ich hierspreche, ist Dcmoiselle Paien. Ihre gewöhnliche Rolle ist die ersteLiebhaberin. Da ist nicht daS weinerliche Lamento und das zierliche