1W Über Polen.
von der stürmischen Freiheit, die besser sein mag als ruhige Knecht-schaft, hat dennoch trotz seiner Herrlichkeit die Polen ins Verderbengestürzt. Aber es ist anch erstannlich, wenn man sieht, welche Machtschon das bloße Wort Freiheit ans ihre Gemüter ausübt; sie glühenund flammen, wenn sie hören, daß irgend für die Freiheit gestrittenwird; ihre Angen schauen leuchtend nach Griechenland und Südamerika,In Polen selbst aber wird, wie ich oben schon gesagt, unter Nieder-drückung der Freiheit bloß die Beschränkung der Adelsrechtc ver-standen, oder gar die allmähliche Ausgleichung der Stände, Wirwissen das besser; die Freiheiten müssen untergehen, wo die allgemeinegesetzliche Freiheit gedeihen soll.
Jetzt aber knieen Sie nieder, oder wenigstens ziehen Sie denHut ab — ich spreche von Polens Weibern, Mein Geist schweift anden Usern des Ganges und sucht die zartesten und lieblichsten Blumen,um sie damit zu vergleichen. Aber was sind gegen diese Holden alleReize der Mallika, der Kuwalnya, der Oschaddi, der Nagnkesarblnten,der heiligen Lotosblumen, und wie sie alle heißen mögen — Kama-lata, Pcdma, Kamala, Tamala, Sirischa n, s, w,!! Hätte ich denPinsel Raphaels, die Melodien Mozarts und die Sprache Caldervns,so gelänge es mir vielleicht, Ihnen ein Gefühl in die Brust zu zaubern,daS Sic empfinden würden, wenn eine wahre Polin, eine Weichsel-Aphrodite, vor Ihren hvchbcgnadigten Augen leiblich erschiene. Aberwas sind Raphaclsche Farbcnkleckse gegen diese Altarbilder der Schön-heit, die der lebendige Gott in seinen heitersten Stunden fröhlich Hin-gezeichnet! Was sind Mvzartsche Klimpereien gegen die Worte, diegefüllten Bonbons für die Seele, die ans den Rosenlippen dieserSüßen Hervorquellen! Was sind alle Caldcronschen Sterne der Erdeund Blumen des Himmels gegen diese Holden, die ich ebenfalls ansgut Caldcrvnisch Engel der Erde benamse, weil ich die Engel selbstPolinnen des Himmels nenne! Ja, mein Lieber, wer in ihre Gazellen-augcn blickt, glaubt an den Himmel, und wenn er der eifrigste An-hänger des Baron Holbach*) war; — — , — —
Wenn ich über den Charakter der Polinnen sprechen soll, so bemerkeich bloß: sie sind Weiber. Wer will sich anheischig machen, denCharakter dieser letzteren zu zeichnen!
Ein sehr werter Wcltweiscr, der zehn Oktavbände „WeiblicheCharaktere" geschrieben, hat endlich seine eigene Frau in militärischenUmarmungen gefunden. Ich will hier nicht sagen, die Weiber haltengar keinen Charakter, Beileibe nicht! Sic haben vielmehr jeden Tageinen andern. Diesen immerwährenden Wechsel des Charakters will
Holbach erklärte die Religion für Moral und Völkcrglück nicht nur ent-behrlich, sondern sogar schädlich.