188 über Polen,
Titel, und es sind nur von Preußen und Osterreich einige derselbenverteilt, Vvu Adelstolz gegen Bürgerliche wissen die Polen nichts,und er kcmn sich nnr in Ländern bilden, wo ein mächtiger nnd mitAnsprüchen hervortretender Bürgcrstand sich erhebt. Erst dnnn, wennder polnische Bauer Güter kaufen wird nnd der polnische Jude sichnicht mehr dem Edelmann zuvorkommend erzeigt, mochte sich bei diesemder Adelstolz regen, der also das Emporkommen des Landes beweisenwürde. Weil hier die Inden höher als die Bauern gestellt sind,müssen sie zuerst mit diesem Adelstolze kollidieren; aber die Sachewird gewiß alsdann einen religiöseren Namen annehmen.
Dieses hier nur flüchtig angedeutete Wesen des polnischen Adelshat, wie man sich denken kann, am meisten beigetragen zu der höchstwnnderlichen Gestaltung von Polens politischer Geschichte, nnd dieEinflüsse dieser letzteren auf die Erziehung der Polen, nnd also aufihren Nationalcharaktcr, waren fast noch wichtiger als die oben er-wähnten Einflüsse des Bodens, Durch die Idee der Gleichheit ent-wickelte sich bei den polnischen Edellentcn jener Nationalstvlz, der nnSoft sehr überrascht durch seine Herrlichkeit, der uns oft auch so sehrärgert durch seine Geringschätzung des Deutschen, und der so sehrkontrastiert mit eingcknutetcr Bescheidenheit, Durch eben jene Gleichheit entwickelte sich der bekannte großartige Ehrgeiz, der den Geringstenwie den Höchsten beseelte, und der oft nach dem Gipfel der Machtstrebte, da Polen meistens ein Wahlreich war. Herrschen hieß diesüße Frucht, nach der es jedem Polen gelüstete. Nicht durch Gcistcs-ivaffen wollte der Pole sie erbeuten, diese führen nur langsam zumZiele; ein kühner Schwerthieb sollte die süße Frucht zum raschenGenuß herunterhauen. Daher aber bei den Polen die Vorliebe fürden Militärstand, wozu ihr heftiger und streitlustiger Charakter siehinzog; daher bei den Polen gute Soldaten nnd Generale, aber garwenige seidene Staatsmänner, noch viel weniger zu Ansehen gestiegeneGelehrte, Die Vaterlandsliebe ist bei den Polen das große Gefühl,worin alle andern Gefühle, wie der Strom in das Weltmeer, zusammcnfließcn; und dennoch trägt dieses Vaterland kein sonderlichreizendes Außere, Ein Franzose, der diese Liebe nicht begreifenkonnte, betrachtete eine trübselige polnische Sumpfgegend, stampfte einStück aus dem Boden, und sprach Pfiffig und kopfschüttelnd: „linddas nennen die Kerls ein Vaterland!" Aber nicht aus dem Bodenselbst, nur auS dem Kampfe um Selbständigkeit, aus historischen Erinnernngeu nnd aus dem Unglück ist bei den Polen diese Vaterlands-liebe entsprossen, Sie flammt jetzt noch immer so glühend wie inden Tagen KoSciuskvs, vielleicht noch glühender. Fast bis zur Lttcherlichkeit ehren jetzt die Polen alles, was vaterländisch ist. Wie einSterbender, der sich in krampfhafter Angst gegen den Tod sträubt,so empört und sträubt sich ihr Gemüt gegen die Idee der Bernich