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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
187
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Über Polen, 187

der Fall, als irgendwo, Polen liegt zwischen Rußland nnd Frontreich. Das noch vor Frankreich liegende Dcutsi'land will ich nichtrechnen, da ein großer Teil der Polen es ungerechterweise wie einenbreiten Sumpf ansah, den man schnell überspringen müsse, um nachdem gebcncdeiten Lande zu gelangen, wo die Sitten und Pomadenam feinsten fabriziert werden. Den heterogensten Einflüssen warPolen dadurch ausgesetzt. Eindringende Barbarei von Osten durchdie feindlichen Berührungen mit Rußland; eindringende Übcrknltnrvon Westen durch die freundschaftlichen Berührungen mit Frankreich daher jene seltsamen Mischungen von Kultur nnd Barbarei imCharakter nnd im häuslichen Leben der Polen, Ich sage just nicht,daß alle Barbarei von Osten eingedrungen, ein sehr beträchtlicher Teilmag im Lande selbst vorrätig gewesen sein; aber in der neueren Zeitwar dieses Eindrängen sehr sichtbar. Einen Hanptcinflnß übt dasLandleben ans den Charakter der polnischen Edcllcnte, Nur wenigederselben werden in den Städten erzogen; die meisten Knaben bleibenans den Landgütern ihrer Angehörigen, bis sie erwachsen sind unddie nicht gar zu großen Bemühungen eines Hofmeisters, oder durcheinen nicht gar zu langen Schulbesuch, oder durch das bloße Waltender lieben Natur in den Stand gesetzt sind, Kriegsdienste zu nehmen,oder eine Universität zu beziehen, oder von der bärcnlcckcnden Lutetiadie Weihe der höchsten Ausbildung zu empfangen. Da nicht allenhierzu dieselben Mittel zu Gebote stehen, so ist es einleuchtend, daßman einen Unterschied machen muß zwischen armen Edellcnten, reichenEdellentcn nnd Magnaten, Erstcre leben oft höchst jämmerlich, fastwie der Bauer, und machen keine besonderen Ansprüche an Kultur,Bei den reichen Edellentcn und Magnaten ist die Unterscheidung nichtschroff, dem Fremden ist sie sogar sehr wenig bemerkbar. An nndfür sich selbst ist die Würde eines Polnischen Edelmanns joivis xolonus)bei dem Ärmsten wie bei dem Reichsten von demselben Umfange unddemselben inneren Werte, Aber an die Namen gewisser Familien,die sich immer durch großen Gütcrbesitz und durch Verdienste um denStaat ausgezeichnet, hat sich die Idee einer höheren Würde geknüpft,nnd man bezeichnet sie gemeiniglich mit dem Rainen Magnaten, DieCzartvryskiS, die Radziwills, die Zamvhskis, die Sapiehas, die Ponia-towskis, die Pvtvkis n, s, w, werden zwar ebensogut als bloße pol-nische Edcllcntc betrachtet, wie mancher arme Edelmann, der vielleichthinterm Pflug geht; dennoch sind sie der höhere Adel cls kaobo, wennauch nicht cls nomine, Ihr Ansehen ist sogar fester begründet alsdas von unserem hohen Adel, weil sie selbst sich ihre Würde gegeben,nnd weil nicht bloß manches geschnürte alte Fräulein, sondern dasganze Voll ihren Stammbaum im Kopfe trägt. Die BenennungStorast" findet man jetzt selten, nnd sie ist ein bloßer Titel ge-worden, Der NameGraf" ist ebenfalls bei den Polen ein bloßer