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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
175
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Briefe aus Berlin. 17b

Familie, und wie ich erzählte: man sage, daß der Kölner Plihel Fouksarme, unmündige Kinder insultiert habe, wurde eine Dame ohnmächtig,und ein hübsches Mädchen fing bitterlich an zu weinen, und schluchzte:Ich weiß, der König begnadigt ihn, wenn er auch verurteilt wird."Ich bin ebenfalls überzeugt, daß unser gefühlvoller König sein schönstesund göttlichstes Recht ausüben wird, um so viele gute Menschen nichtelend zu machen; ich wünsche dieses ebenso herzlich, wie die Berliner,obschon ich ihre Ansichten über den Prozeß selbst nicht teile. Überletzteren habe ich erstaunlich viele Meinungen ins Blaue hinein?räsvnniercn hören. Am gründlichsten sprechen darüber die Herren,die von der ganzen Sache gar nichts wissen. Mein Freund, derbucklichte Anskultator, meint: wenn er am Rhein wäre, so wollte erdie Sache bald aufklären. Überhaupt meint er, das dortige Gerichts-verfahren tauge nichts.Wozu," sprach er gestern,diese Öffent-lichkeit? Was geht es dem Peter und dem Christoph an, ob Fonkoder ein anderer den Cönen umgebracht. Man übergebe mir dieSache, ich zünde mir die Pfeife an, lese die Akten durch, referieredarüber, bei verschlossenen Thürcn urteilt darüber das Kollegium undschreitet zum Spruch, und spricht den Kerl frei oder verurteilt ihn,und es kräht kein Hahn darnach. Wozu diese Jury, diese GevatterSchneider und Handschuhmacher? Ich glaube, ich, ein studierterMann, der die Friesische Logik in Jena gehört, der alle seine juri-stischen Kollegien wohl testiert hat und das Examen bestanden, besitzedoch mehr Jndieium, als solche unwissenschaftliche Menschen? AmEnde meint solch ein Mensch, Wunders welch höchst wichtige Personer sei, weil so viel von seinem Ja und Nein abhängt! lind dasschlimmste ist noch dieser Code Napoleon, dieses schlechte Gesetzbuch,das nicht mal erlaubt, der Magd eine Maulschelle zu geben."Doch ich will den weisen Anskultator nicht weiter sprechen lassen.Er repräsentiert eine Menge Menschen hier, die für Fonk sind, weilsie gegen das rheinische Gerichtsverfahren sind. Man mißgönnt das-selbe den Rheinländern, und möchte sie gern erlösen von diesenFesseln der französischen Tyrannei", wie einst der unvergeßlicheJustus Gruner Gott habe ihn selig das französische Gesetznannte. Möge das geliebte Rheinland noch lange diese Fesselntragen, und noch mit ähnlichen Fesseln belastet werden! Möge amRkein noch lange blühen jene echte Freiheitsliebe, die nicht auf Fran-zosenhaß und Nativnalegvismus basiert ist, jene echte Kraft undJugendlichkeit, die nicht ans der Branntweinstasche quillt, und jeneechte Christusreligion, die nichts gemein hat mit verketzernder Glaubcns-brnnst oder frömmelnder Prosclytcnmacherei.

Bei unserer Universität giebt's gar nichts Neues, außer daßzweinnddreißig Studenten relegiert worden wegen unerlaubter Ver-bindungen. Es ist eine fatale Sache, relegiert zu werden; sogar daS