Briefe ans Berlin.
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ein zerquetschtes, eingemachtes Gesichtchcn, ein feines Köpfchen mitweichen baumwollenen Gedanken, bnnigestickte Weste, Galantericdcgc»,weißseidene, lächelnde Bcinchen, und er parliert französisch, und wennman es ins Deutsche übersetzt, ist es eine Dummheit — Dagegender andere, der Große mit dem Schnurrbart, der Titane, der alleBetthimmel stürmen will! ich Ivette, er hat so viel Verstand wie derApoll von Belvedere —" Um den Raisonneur auf andere Gedankenzu bringen, zeigte ich ihm meinen Barbier, der uns gegenüber standund seinen neuen altdeutschen Rock angezogen hatte, Kirschbrannwurde jetzt das Gesicht des Kammermnsiei, und er fletschte mit denZähnen: „O Sankt Marat! so ein Lump will den Frciheitshcldcnspielen! O Danton, Callot d'Herbois, Rvbespierre —" Vergebensträllerte ich das Liebchen:
Eine feste Burg, v lieber Gott,
Ist Spandau, n. s. w.
Vergebens, ich hatte das Ding noch verschlimmert, der Menschgeriet jetzt in seine alten Rcvolntionsgeschichten, und schwatzte vonnichts als Guillotinen, Laternen, Septembrisiercn, bis mir zu meinemGlücke seine lächerliche Pnlvcrfurcht in den Sinn kam, und ich sagteihm: Wissen Sie auch, daß gleich im Lustgarten zwölf Kanonen los-geschossen werden? Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen, undverschwunden war der Kammcrmnsikns.
Ich wischte mir den Angstschweiß aus dem Gesichte, als ich denKerl vom Halse hatte, sah noch die letzten Aussteigenden, machtemeinen schönen Nachbarinnen eine mit einem holden Lächeln accvm-pagnierte Verbeugung, und begab mich nach dem Lustgarten. Dastanden wirklich zwölf Kanonen aufgepflanzt, die dreimal losgeschossenwerden sollten in dem Augenblicke, wo das fürstliche Brautpaar dieRinge wechseln würde. An einem Fenster des Schlosses stand einOffizier, der den Kanonieren im Lustgarten ein Zeichen zum Abfeuerngeben sollte. Hier hatten sich eine Menge Menschen versammelt. Ansihren Gesichtern waren ganz eigene, fast sich widersprechende Ge-danken zu lesen.
Es ist einer der schönsten Züge im Charakter der Berliner, daßsie den König und das königliche Hans ganz unbeschreiblich lieben.Die Prinzeil und Prinzessinnen sind hier ein Hanptgegenstand derUnterhaltung in den geringsten Bürgerhäusern. Ein echter Berlinerwird auch nie anders sprechen, als „unsre" Charlotte, „unsre"Alexandrinc, „unser" Prinz Karl u. s. w. Der Berliner lebt gleich-sam in die königliche Familie hinein, alle Glieder derselben kommenihm wie gute Bekannte vor, er kennt den besonderen Charakter einesjeden, und ist immer entzückt, neue schöne Seiten desselben zu be-merken. So wissen die Berliner zum Beispiel, daß der Kronprinz