Briefe ans Berlin. 157
die unsere dortigen Freunde interessieren möchten, nenne ich: Alkuin,Arndt, Begaste, Benzenbcrg und Bengnot, der brave Franzose, derden Bewohnern des Großherzogtums Berg, trotz seiner haßerrcgendcnStellung, so manche schöne Beweise eines edcln und großen Charaktersgegeben hat, und jetzt in Frankreich so wacker kämpft für Wahrheitund Recht.
Die Maßregeln gegen den Brockhansschen Verlag sind noch immerin Wirksamkeit. Brvckhaus war vorigen Sommer hier, und suchteseine Differenzen mit unserer Regierung auszugleichen. Seine Be-mühungen müssen fruchtlos gewesen sein. — Brvckhaus ist ein Mannvon angenehmer Persönlichkeit. Seine äußere Repräsentation, seinscharfblickender Ernst und seine feste Freimütigkeit lassen in ihm jenenManu erkennen, der die Wissenschaften und den Mcinungskampf nichtmit gewöhnlichen Bnchhändlcrangeu betrachtet.
Die griechischen Angelegenheiten sind hier, wie überall, tüchtigdurchgesprochen worden, und daS Griechcnfcuer ist ziemlich erloschen.Die Jugend zeigte sich am meisten enthusiastisch für Hellas; alte ver-nünftigere Leute schüttelten die grauen Köpfe. Gar besonders glühtenund flammten die Philologen. Es muß den Griechen sehr viel ge-holfen haben, daß sie von unseren Thrttten auf eine so poetische Weiseerinnert wurden an die Tage von Marathon, Salamis und Platna.Unser Professor Zenne, der, wie der Optikus Amncl bemerkt, nichtallein eine Brille trägt, sondern auch Brillen zu beurteilen weiß,hatte sich am meisten thätig gezeigt. Der Hauptmann Fabeck, der,wie Sic aus öffentlichen Blättern ersehen hatten, von hier auS, ohneviel tyrtäische Lieder zu singen, nach Griechenland gereist ist, solldort ganz erstaunliche Thatcn verrichtet haben, und ist, um ans seinenLorbeer» zu ruhen, wieder nach Deutschland zurückzukommen.
Es ist jetzt bestimmt, daß das Kleistsche Schauspiel: „Der Prinzvon Homburg, oder die Schlacht bei Fehrbellin" nicht auf unsererBühne erscheinen wird, und zwar, wie ich höre, weil eine edle Dameglaubt, daß ihr Ahnherr in einer unedel» Gestalt darin erscheine.Dieses Stück ist noch immer ein Erisapfel in unseren ästhetischenGesellschaften. Was mich betrifft, so stimme ich dafür, daß es gleich-sam vom Genius der Poesie selbst geschrieben ist, und daß es mehrWert hat, als all jene Farcen und Spcktakelstücke und HouwaldscheRühreier, die man uns täglich auftischt. „Anna Boleyn", die Tra-gödie des sehr talentvollen Dichters Gehe, der sich jetzt just hier be-findet, wird einstudiert. Herr Rcllstab hat unserer Intendanz einTrauerspiel angeboten, daS den Titel führen wird: „Karl der Kühnevon Burgund." Ob dieses Stück angenommen worden, weiß ich nicht.
Es wurde hier viel davon geschwatzt, als man hörte, daß beiWillmans in Frankfurt der neue Hoffmannsche Roman: „MeisterFloh und seine Gesellen" auf Requisition unserer Regierung kvnfis-