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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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156 Briefe ans Berlin.

burger eingerichtet, ist und vor einigen Wochen eröffnet wurde, undzweitens Vvn dem alten, neu aufgewärmten Projekte der Judeu-bekehrung. Aber ich übergehe beides, da ich in der neuen Halle nochnicht war, nnd die Inden ein gar zu trauriger Gegenstand sind. Ichwerde freilich am Ende auf dieselben zurückkommen müssen, wenn ichvvn ihrem neuen Kultus spreche, der von Berlin besonders aus-gegangen ist. Ich kann es jetzt noch nicht, weil ich es immer ver-säumt habe, dem neuen mosaischen Gottesdienste einmal beizuwohnen.Auch über die neue Liturgie, die schon längst in der Domkirche ein-geführt und Hauptgcgenstand des Stadtgespräches ist, will ich nichtschreiben, weil sonst mein Brief zu einem Buche anschwellen würde.Sie hat eine Menge Gegner. Schleiermacher nennt mau als denvorzüglichsten. Ich habe unlängst einer seiner Predigten beigewohnt,wo er mit der Kraft eines Luthers sprach, und wo es nicht an ver-blümten Ausfällen gegen die Liturgie fehlte. Ich muß gestehen, keinesonderlich gottseligen Gefühle werden durch seine Predigten in mirerregt; aber ich finde mich im besseren Sinne dadurch erbaut, er-kräftigt und wie durch Stachelworte anfgegeißelt vom weichen Flaumen-bette des schlaffen Jndifferentismus. Dieser Mann braucht nur dasschwarze Kirchengewand abzuwerfen, und er steht da als Priesterder Wahrheit.

Ungemeines Aufsehen erregten die heftigen Ausfälle gegen diehiesige theologische Fakultät in der Anzeige der Schrift: „Gegen dieDe-Wettesche Akteusnmmlnng" sin der Vossischcn Zeitung) nnd in derEntgegnung auf die Erklärung der Fakultät (ebendaselbst). Als Ver-fasser jener Schrift nennt man allgemein Beckendorf. Aus wessenFeder jene Anzeige und Entgegnung geflossen ist, weiß man nichtgenau. Einige nennen Kampz, andere Beckendorf selbst, andere Klind-worth, andere Buchholz, andere andere. Die Hand eines gewandtenDiplomaten ist in jenen Aussätzen nicht zu verkennen. Wie mansagt, ist Schleiermacher mit einer Entgegnung beschäftigt, und es wirddem gewaltigen Sprecher leicht werden, seinen Antagonisten niederzu reden. Daß die theologische Fakultät auf solche Angriffe ant-worten muß, versteht sich von selbst, und das ganze Publikum siehtmit gespannter Erwartung dieser großen Antwort entgegen.

Man ist hier sehr gespannt ans die zwei Supplementbände zumBrockhausschen Konversationslexikon, aus dem sehr natürlichen Grunde,weil sie, laut dem Inhaltsverzeichnisse der Ankündigung, die Bio-graphien einer Menge öffentlicher Charaktere enthalten werden, die,teils in Berlin, teils im Auslande lebend, gewöhnliche Gegenständeder hiesigen Konversation sind. Soeben erhalte ich die erste Lieferungvvn A bis Bomz (ausgegeben den 1. März 1822), und falle mit Be-gierde auf die Artikel: Albrccht (Geh. Kabinettsrat), Alopäus, Alten-stein, Ancillon, Prinz Angnst (v. Preußen) :c. w. Unter den Namen,