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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
158
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128 Briefe ans Berlin.

ziert worden sei. Letztere hatte nämlich erfahren, das fünfte Kapiteldieses Romans persifliere die Kommission, welche die Untersuchungder demagogischen Umtriebe leitet. Daß unserer Regierung an solchenPersiflagen wenig gelegen sei, hatte sie längst bewiesen, da unter ihrenAugen hier in Berlin bei Reimer der Jean Pantsche „Komet" mitErlaubnis der Zensur gedruckt wurde, und, wie Ihnen vielleicht be-kannt ist, in der Vorrede zum zweiten ^eile dieses Romans die Um-tricbeuntcrsuchnngcn aufs heilloseste lächerlich gemacht werden. Beiunserem Hvffmann mochte man aber höheren Ortes gegründetes Rechtgehabt haben, einen ähnlichen Spaß übel zu nehmen. Durch dasZutrauen des Königs war der Knmmcrgcrichtsrat Hoffmann selbstMitglied jener Untcrsnchungskommissivn; er wcnigstenS durfte durchkeine nnzeitigen Späße das Ansehen derselben zu schwächen suchen,ohne eine tadclhafte Unziemlichkeit zu begehen. Hoffmann ist daherjetzt zur Rechenschaft gezogen worden; „der Floh" wird aber jetztmit einigen Abänderungen gedruckt werden. Hvffmann ist jetzt krankund leidet an einem schlimmen Nasenübcl. — In meinen nächstenBriefen schreibe ich Ihnen vielleicht mehr über diesen Schriftsteller,den ich zu sehr liebe und verehre, um schonend von ihm zu sprechen.

Herr von Savigny wird diesen Sommer Institutionen lesen, diePossenreißer, die vorm Brandenburger Thor ihr Wesen treiben, habenschlechte Geschäfte gemacht und sind längst abgereist. Blvndin ist hier,und wird reiten und springen. Der Kopfabschneider Schuhmannerfüllt die Berliner mit Verwunderung und Entsetzen. Aber Boskv,Bvskv, Bartolomen Bvsko sollten Sie sehen! Das ist ein echterSchüler Pinettis! Der kann zerbrochene Uhren noch schneller kurieren,als der Uhrmacher Labinski, der weiß die Karten zu mischen undPuppen tanzen zu lassen! Schade, daß der Kerl keine Theologiestudiert hat. Er ist ein ehemaliger italienischer Offizier, noch sehrsnng, männlich, kräftig, trägt anliegende Jacke und Hosen vonschwarzem Seidcnzeug, und, was die Hauptsache ist, wenn er seineKünste macht, sind seine Arme fast ganz entblößt. Weibliche Angcnsollen sich an letzteren noch weit mehr als an seinen Kunststückenerbauen. Er ist wirklich ein netter Kerl, das muß man gestchen,wenn man die bewegliche Figur -sieht im Scheine einiger fünfziglangen Wachskerzen, die wie ein funkelnder Lichtcrwald vor seinem,mit seltsamen Gauklerapparatcn besetzten langen Tische aufgepflanztstehen. Er hat seinen Schauplatz vom Jagvrschen Saale nach demenglischen Hanse verlegt, und ist noch immer mit erstaunlich vielemZnspruche gesegnet.

Ich habe gestern im Llaks Koz-nl den Kammcrmusikus gesprochen.Er hat mir eine Menge kleiner Neuigkeiten erzählt, wovon ich diewenigsten im Gedächtnis behielt. Versteht sich, daß die meisten ansder musikalischen Llrronrcius svanclalsuso sind. Den 20, ist Prüfung