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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
155
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Briefe aus Berlin. 156

Ich will nicht ungerecht sein und hier unerwähnt lassen die Ver-ehrung, die man hier dem Namen Goethe zollt, — der deutsche Dichter,von dem man hier am meisten spricht. Aber, Hand aufs Herz, magdas feine, weltkluge Betragen unseres Goethe nicht daS meiste dazubeigetragen haben, daß seine äußere Stellung so glänzend ist unddaß er in so hohem Maße die Affektion unserer Großen genießt?Fern sei es von mir, den alten Herrn eines kleinlichen Charakterszu zeihen. Goethe ist ein großer Mann in einem seidenen Rock. Amgroßartigsten hat er sich noch kürzlich bewiesen gegen seine kunst-sinnigen Landsleute, die ihm im edlen Wcichbilde Frankfurts einMonument setzen wollten, und ganz Deutschland zu Geldbeiträgenaufforderten. Hier wurde über diesen Gegenstand erstaunlich vieldiskutiert, und meine Wenigkeit schrieb folgendes mit Beifall be-ehrte Sonett:

Hört zu, ihr deutschen Männer, Mädchen, Frauen,lind sammelt Subskribenten unverdrossen;

Die Bürger Frankfurts haben jetzt beschlossen,Ein Ehrcndenkmal Goethen zu erbauen.

„Zur Meßzeit wird der fremde Krämer schauen," -So denken sie — „daß wir des Manns Genossen,Daß nnscrm Miste solche Blum' entsprossen,

Und blindlings wird man uns im Handel trauen."

O, laßt dem Dichter seine Lorbeerreiser,

Ihr Handelsherrn! Behaltet euer Geld.

Ein Denkmal hat sich Goethe selbst gesetzt.

Im Windelnschmntz war er euch nah, doch jetztTrennt euch von Goethe eine ganze Welt,

Euch, die ein Flüßlein trennt vom Sachscnhäuscr!

Der große Mann machte, wie bekannt ist, allen Diskussionendadurch ein Ende, daß er seinen Landslentcn mit der Erklärung, „ersei gar kein Frankfurter", das Frankfurter Bürgerrecht zurückschickte.

Letzteres soll seitdem — um frankfnrtisch zu sprechen — 9g Prozentim Werte gesunken sein, und die Frankfurter Juden haben jetzt bessereAussicht zu dieser schönen Acquisitum. Aber — um wieder frank-fnrtisch zu sprechen — stehen die Nothschilde und die Bethmännernicht längst nl pari? Der Kaufmann hat in der ganzen Welt die-selbe Religion. Sein Cvmptvir ist seine Kirche, sein Schreibpult istsein Betstuhl, sein Memorial ist seine Bibel, sein Warenlager ist seinAllcrheiligstes, die Börscnglocke ist seine Betglvcke, sein Gold ist seinGott, der Kredit ist sein Glanben.

Ich habe hier Gelegenheit, von zwei Neuigkeiten zu sprechen:erstens von der neuen Börsenhalle, die nach dein Vorbilde der Hain